Freitag, 5. August 2016

Beitrag zum Blogstöckchen: Lehr-/ Lernraumbilder

Timo van Treeck (@timovt) lädt zur Blogparade ein, da kann ich nicht ablehnen. Es geht um Lehr-/ Lernraumbilder, um Orte, an denen wir gerne lehren und lernen. Nun, passend dazu hat die Uni Graz gerade einen Beitrag im Blog veröffentlicht, der alternative Lernorte zur Universitätsbibliothek nennt, die gerade umgebaut wird. Nun, ich persönlich fand ja den Lesesaal der Bibliothek immer sehr imposant, habe dort auch gelernt (aber nur wegen des Ambientes). Ich bevorzuge Plätze mit Steckdosen, wo ich ungestört lernen kann – am Campus also nur schwer möglich. Wenn also, dann im Freien (auf einer Bank, im Park, in benachbarten Cafés). Aber so richtig gelernt habe ich immer nur zuhause.

Graz University-Library reading-room
By Dr. Marcus Gossler (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Hier der Link auf den Blogpost und einen eingebetteten Post (wo auch Bilder vorhanden sind).

Mein bevorzugter Lehrraum hingegen ist sehr einfach gehalten: Es gibt Tische, die sich verschieben lassen, jede Menge Steckdosen, WLAN und einen Computer mit Beamer bzw. die Möglichkeit, einen Computer mit Beamer zu borgen. Hauptsache alles ist flexibel. Der Rest passiert über BYOD. Ich Vorbereitung auf die Lehre erfolgt zuhause (#flippedclassroom), die Diskussion oder das Üben im Klassenzimmer. Sehr diskursiv, sehr interaktiv. Und dafür reichen mitunter auch die Wiesenflächen am Campus der Universität Graz (wenn die Devices geladen ist ;-) und das Wetter passt).

CC0 (Pixabay)
Lernen geschieht für mich überall dort, wo es motivational ansprechend ist, wo man sich also wohlfühlt, wo man gerne ist. Dort ist für mich auch der ideale Ort zum Lehren, wenngleich das Lehren definiert werden muss. In meiner Rolle als Lernbegleiterin oder als Lehrende. Ich nutze unterschiedliche Medien und Räume, abwechslungsreiche Methoden und Sozialformen und nehme dabei unterschiedliche Rollen ein. Denn was mir wirklich wichtig ist, ist der Spaß an der Materie (in meinem Fall: der Spaß an der Sprache) und die Motivation, die zum Auslösen eines und vor allem Aufrechterhalten des Lernprozesses einfach unverzichtbar ist.

Meine Nominierungen:

  • Alicia Bankhofer (weil sie, glaub ich, viel zu Lernräumen sagen kann)
  • Urs Henning (weil ich seine reflektierte Art so schätze)
  • Herr B. (weil ich von ihm einen "anderen" Blick erwarte - ganz positiv gemeint) :-)

Montag, 4. Juli 2016

Alt aber gut (oder auch nicht)

Nun, da ich ja länger nichts gepostet hatte, konnten sich so einige Links ansammeln, die ich in Blogposts verpacken wollte, aber nie so richtig wusste, wie in welcher Form und zu welchem Thema genau. Gut, das Thema ist irgendwie klar, aber dennoch fand ich nie den richtigen Anlassfall. Heute war ich auf der Suche nach einem bestimmten Artikel und durchforstete meine „Diese-Links-lese-ich-später“-Ablage und fand dabei so einiges (nur nicht den gesuchten Artikel, aber egal). Was ich dabei wirklich erstaunlich finde, ist die Tatsache, wie wenig sich getan hat und wie aktuell die Artikel eigentlich heute noch sind. Vielleicht sind sie auch nur spannend und kontrovers. Aber sie hatten es verdient, abgelegt zu werden (zur späteren Lektüre).

Aber schauen wir uns die Links mal an.

Wer erinnert sich noch an das Video von Veritasium, in dem von den unterschiedlichen vermeintlichen/ potentiellen/ erhofften Leitmedienwechseln gesprochen wird?



Quelle: YouTube

Was nicht alles unsere Bildung revolutionieren wird. Das Radio, der Fernseher, das Internet. Oder vielleicht auch die Tabletklasse (man lese hierzu - kritisch - Axel Krommers Über Eindrücke von Tabletklassen)? Vielleicht ist es ja das Schaffen einer guten Infrastruktur, die die Basis für alles ist? Oder ist es einfach unser Denken, das auch die öffentliche Wahrnehmung steuert? Vielleicht ist es eher das Zulassen, dass Lerner/innen aktiv interagieren und dass der Unterricht lernendenzentriert sein sollte? Wir sollten von den Lernerinnen und Lernern aus denken. Und nicht aus der Sicht der Technik, die Markus Deimann richtigerweise als beengend, im letzten Blogbeitrag schrieb ich von "Reduktion", beschreibt in seinem Beitrag Digitale Didaktik: Gefangen im Korsett der Technik?. Und auch Beat Döbeli Honeggers Beitrag auf Google+ (und noch viel stärker die Diskussion, die er ausgelöst hat) schlägt in dieselbe Kerbe.

Und übrigens: Ist Unterricht nicht auch ein furchtbares Wort, dass mit einer Oben-Unten-Metaphorik spielt?

Quelle: YouTube

Schüler/innen sind keine Objekte, die ich UNTERrichte. Sie sind Subjekte und sollen eigene Erfahrungen machen (dürfen), aus denen sie lernen. [Man lese hierzu auch Peter Addors Beitrag Kompetenzbasiertes-vs-dozentenbasiertes-Schulmodell.] Und das beginnt schon in der Kindheit (wider die zurzeit so beliebten Helikoptereltern). Ist die Schule der Ort, wo Kinder zu lernen beginnen? Wieso neigen Erwachsene, frisch eingeschulte Kinder mit "Oh, du gehst schon in die Schule? Du Arme/r?" zu empfangen? Martin Lindner hat ein paar scharfsinnige (freilich nicht ohne Subtext zu lesende) Gedanken zum Thema Schule geäußert - die angeschlossene Diskussion ist ebenfalls eine Lektüre wert.

Sind MOOCs die Lösung (MOOCs ohne Grenzen: Adaptivität und Flexibilität als neue Gütekriterien ein spannender Text von Jürgen Handke)? Oder adaptive oder pervasive Lernsysteme? Sind wir am Ende der Kreidezeit angekommen? (Lesen hierzu jedenfalls Alex Krommers Antwort - und wer den Blahfasel-Generator nicht kennt: Voilà.) Probt die Schule den digitalen Hochsprung? Wie ist das Verhältnis von Digitalisierung und Schule? Muss sich das System anpassen (Anja C. Wagner sei für die reflektierten Worte gedankt)? Gibt es gar keine digitale Gesellschaft (die Diskussion auf Google+ sollte wieder mitgelesen werden)? Sind Stift und Papier unzeitgemäße Lernwerkzeuge? Wollen Unis zurück ins analoge Zeitalter? Wenn Smartphones und Tablets aber gar nichts bringen, ist es dann sinnvoll, sie ganz zu verbieten? Schließlich erhöht das ja den Lernerfolg? (Das Fragezeichen ist bewusst (!) gewählt.) Und sie könnten ja die Lehrenden ersetzen, oder nicht? Vielleicht sollte es zurück zur Schreibmaschine gehen? Da schreibt man Dinge  mehrfach, wenn man sich vertippt. Und da lernt man doch sicherlich so richtig viel, oder? Toolification ist doch sicher der richtige Weg, wenn es die Hardware schon nicht ist, oder?


Quelle: YouTube

Vielleicht hat ja aber auch Ralf Lankau die Antwort und wir befinden uns unter dem Joch der Digitalisten? Hat Sir Ken Robinson am Ende Recht mit seiner Feststellung der Changing Education Paradigms?


Quelle: YouTube

Wir neigen doch dazu, Menschen zu klassifizieren (träge/aktiv; fähig/unfähig; reif/unreif); und sie auf eine Rolle oder Funktion zu - ich wiederhole mich - reduzieren. Werden wir in zehn Jahren wirklich anders lernen? Ist es die Angst vor Veränderung, die unser Leben und Denken bestimmt? Müssen wir von einer digitalen Revolution (was ist das noch gleich?!?) oder gar vor Social Media Angst haben? Wenn wir uns die Diskussion um den Tweet von @nainablabla und die Reaktionen (beispielhaft), die gefolgt sind, ansieht, dann möchte man die Frage ja beinahe bejahen. Sollten wir auf den Boden der Realität zurückkehren (man lese hierzu die Diskussion zu Axel Krommers Ausgangspost)? Müssen wir unsere Lerner/innen dort abholen, wo sie (nicht  mehr) sind? Vielleicht brauchen wir neue Modelle? Oder auch nur eine (Danke Martin Linder für diesen Vorschlag):

"#checkliste gut, mit der man ganz schnell den wert von reformerischen bildungsinitiativen bestimmen könnte".

Vielleicht haben Sie bei so manchen Text auch ein "No-na"-Erlebnis gehabt? Mir ging's jedenfalls so. Ebenso wie bei Martin Lindners Humboldt, Orwell und die Digitale Bildung. Oder mit dem kurzen Blogpost 7 Ways Technology Can Transform Learning (INFOGRAPHIC) und Tobias Raues Kommentar zum wiederkehrenden Argumentationsstrukturen. Aufschlussreich und jedenfalls mehr als einen Blick und Gedanken Wert sind die 3 Ebenen der Digitalisierung (wessen?!) (hier die Matrix).

Jetzt können Sie mir gerne vorwerfen, dass ich hier nur Fragen stelle, keine Antworten liefere. Wissen Sie was? Ich habe keine Antworten. Wahrscheinlich habe ich deswegen diese Beiträge auch immer wieder nach hinten verschoben, weil es keine Antworten gibt? Es darf kein Entweder-Oder geben. Es gibt nur ein Sowohl-als-auch. Zumindest ist das mein Ansatz. Und ich denke, wichtig wäre es, auch mal unsere Schüler/innen und Lerner/innen zu befragen.  Oder auch eine Außensicht auf die Thematik einzunehmen, sie vielleicht retrospektiv zu betrachten, wie Jöran Muuß-Merholz es in Neun Thesen zum lebensbegleitend lernenden Menschen getan hat. Vielleicht sollten wir auch einfach tun. Und jene Medien und Methoden verwenden, die uns am besten ans Lehr- und unsere Lerner/innen ans Lernziel bringen (Hauptsache Schreiben! Digitale Medien im Unterricht von Philippe Wampfler). Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, die Texte sind alt. Und haben doch ein wenig (oder mehr) Wahrheit. Und man kann aus ihnen allen lernen.

tl;dr
Ich stelle viele Fragen, doch habe keine Antworten.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Die Reduktion als falscher Ansatz

Lange war es nun ruhig auf meinem Blog – es war einfach so sehr viel zu tun, dass ich das Blogschreiben ein wenig hinten anstellen musste. Und dann war da die Frage, wie oder womit „komme ich zurück“. Ein Thema als Wiedereinstieg zu finden, ist ja gar nicht so einfach. Gut, es gibt genügend Themen, aber nach so langer Zeit soll es schon was Interessantes, Wichtiges sein. Und dieses wichtige Thema habe ich gestern im 133. #EDchatDE erlebt. Gestern ging es um Tabletklassen. Der Versuch der Digitalisierung der Bildung oder der Reduzierung von Bildungsmöglichkeiten? Und es sind gar nicht die Tabletklassen, die ich hier aufgreifen will, sondern der Begriff der Digitalisierung und die Idee der „Reduzierung von Bildungsmöglichkeiten.

Quelle: Pixabay (CC0)

Der Begriff Digitalisierung wurde lange und breit diskutiert und ich möchte einen Tweet von André Spang (@tastenspieler) herausgreifen, der die Begriffsdebatte auf den Punkt bringt:
Wenn ich von Digitalisierung der Bildung spreche, dann reduziere ich den Bildungsbegriff auf digitale Medien. Digitale Medien gibt es, digitale Methoden gibt es nicht. Und wir sind hier schon wieder beim alten und – wie es aussieht – noch immer aktuellen – irgendwie auch schon leidigen Thema, dass nämlich die Medien nicht im Vordergrund stehen sollen.
Inspiriert wurde dieser Tweet durch Urs Henning (@urshenning) und folgendem Tweet:
In die gleiche Kerbe schlägt auch Nina Toller (@ninatoller) und spricht mir damit aus der Seele:
Es sind die Lernziele, die an erster Stelle stehen. Um sie zu erreichen, bediene ich mich spezifischer Methoden und, um diese umzusetzen, kommen Medien zum Einsatz. Das kann die Lehrperson ebenso sein, wie das Schulbuch, oder das Tablet, eine App oder ein installiertes Programm. Die Bildung zu digitalisieren, meint, digitale Medien im Unterricht, zum Lernen und Lehren einzusetzen. Und dabei, so kommt es mir vor, wird oftmals nur die Seite des Lehrens bedacht. Es sollte aber das Lernen im Vordergrund stehen. André Spang bringt es in einem kurzen Tweet auf den Punkt:
Ich muss nicken. Digitale Medien, das Web 2.0, machen aus den Lernerinnen und Lernern aktiv Handelnde und Produzierende. Und genau so soll es auch sein. Wir lernen am besten, wenn wir etwas tun, wenn wir eine Erfahrung machen, wenn wir eine Situation aktiv erleben und nicht nur passiv konsumieren. Das Berieseln-Lassen, das Edutainment hat zwar sicherlich auch seinen Platz, sollte aber nicht der primäre Fokus sein. Wir sollten in unseren Unterricht eine Vielfalt und Abwechslung bringen, die weder unter- noch überfordert. Wir sollten unsere Lerner/innen zur aktiven Arbeit anregen.

Quelle: Pixabay (CC0)

Gerade im Sprachunterricht sehe ich oft, dass Schüler/innen Angst davor haben, aktiv etwas zu produzieren. Sie haben Angst vor den Fehlern und den folgenden Sanktionen. Das ist ja aber nicht der richtige Weg, werden Sie jetzt denken. Und Sie haben damit absolut recht. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen. Fehler sind etwas Gutes. Sie zeigen Entwicklungsstufen an, zeigen auch den Fortschritt und sollten als Indikatoren für den Lernprozess gesehen werden.

Quelle: Pixabay (CC0)

Und ich sehe immer mehr, wie Kolleginnen und Kollegen, die für den vernünftigen Einsatz digitaler Medien im Unterricht einsetzen, ermüden, wie sie scheinbar gegen Windmühlen kämpfen. Philippe Wampfler (@phwampfler) hat seinen Gedanken in Die digitale Frustration freien Lauf gelassen. (Umso schöner und berührender die Reaktion von @Lernbegleiterin.) Ebenso Bob Blume (@legereaude), der auf seinem Blog eine Pause von Social angekündigt hat. Sie wirken müde, ausgelaugt, vom Kampf gegen Windmühlen, gegen die Besserwisser, die vom Mehrwert der digitalen Medien sprechen (danke @Lernbegleiterin für die Zusammenschau und Axel Krommer, aka @Mediendidaktik_ für den ansprechenden Text zum Thema) oder diese aber ablehnen (ich möchte ihnen noch mal den Text Argumente gegen das Digitale in der Schulen von Beat Döbeli Honegger, @beatdoebeli, ans Herz legen).

Das ist schade, denn es kommt mir so vor, als würde auch hier eine Reduktion stattfinden. Der Mensch wird auf eine Funktion, auf eine Rolle reduziert, nimmt „Rolle des digital Radikalen ein“, wie Philippe Wampfler schreibt, zwingt Menschen wie Bob Blume dazu, Sätze zu schreiben, wie „Dies ist keine Abrechnung oder Aufruf, kein politisches Statement oder gar eine Positionierung gegen Social Media oder die Netzgemeinschaft.“ Wo sind wir eigentlich? Wieso reduzieren wir Menschen auf ihre Funktion, auf ihre Rolle, auf ihr Aussehen, auf ihre Herkunft, auf was auch immer? Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen, er nimmt verschiedene Rollen ein, übt verschiedene Funktionen aus, denkt je nach Rolle/ Funktion vielleicht anders und ist gespalten. Erinnern wir uns an Schillers Über die ästhetische Erziehung des Menschen (Kapitel 7, Sechster Brief):
Ewig nur an ein einzelnes kleines Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der Mensch selbst nur als Bruchstück aus, ewig nur das eintönige Geräusch des Rades, das er umtreibt, im Ohre, entwickelt er nie die Harmonie seines Wesens, und anstatt die Menschheit in seiner Natur auszuprägen, wird er bloß zu einem Abdruck seines Geschäfts, seiner Wissenschaft.
Lasst uns aufhören, den Menschen und die Bildung einseitig zu denken. DEN Menschen gibt es nicht, ebenso wenig wie DIE Bildung. So wie es die Digitalisierung nicht gibt, so gibt es auch keinen Digital Native (oder Digital Immigrant), wie Prenksy ihn 2001 beschrieben hat. Auch hier wird der Mensch, der Jugendliche, auf einen Teilaspekt seiner Persönlichkeit oder vielmehr seines Umfelds reduziert. Der Mythos, oder Trugschluss, Jugendliche von heute verfügten automatisch über eine gewisse digital literacy, halten sich zäh. Und es wird Zeit sich von ihnen zu lösen.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Mit der Lernapp zum Sprachenlernen?

Vor einiger Zeit bekam ich eine Anfrage der österreichischen Tageszeitung Der Standard (@derStandardat), ob ich für ein Interview zum Thema Sprachenlernen mit Apps bereit wäre. Eingefädelt wurde dieses Interview von Gerhard Brandhofer (@rationalekritik), der Thomas Strasser (@thomas_strasser) und mich empfohlen hatte. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Danke für die Empfehlung :-)

Im Zuge der Vorbereitung auf das Interview hab ich mir zahlreiche Fragen zum Sprachenlernen gestellt und bin dabei immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass es keine Ja- oder Nein-Antwort geben kann. Eine gut gemachte App ist genauso gut und genauso zu empfehlen wie ein gut gemachter Podcast, ein gut gemachtes Buch, ein gut gemachter Film. Und wenn die App nichts taugt, dann ist sie genauso zu sehen, wie jedes andere Medium, das nichts taugt. Es kann nicht um das Medium gehen, sondern das Medium App liefert mir sprachlichen Input und unterschiedlicher sprachlicher Input steigert meine Lernleistung. Oder zumindest die Motivation. Abwechslungsreichtum statt Monotonie, Vielfalt statt Einheitlichkeit, alle Sinne statt kein Sinn… Die Lerner/innen sollen gefordert werden, gleichzeitig jedoch weder über- noch unterfordert. Ziel ist es, die Motivation hoch zu halten, die Lerner/innen regelmäßig mit Input zu versorgen und dabei das Sprachenlernen quasi nebenbei zu erledigen. Und zum Lernen einer Sprache gehört genauso der Austausch mit Natives dazu, wie der Besuch eines Landes, in dem die Zielsprache gesprochen wird. Eine Sprache zu lernen, bedeutet nicht nur, die Vokabeln und Strukturen zu erLERNEN und zu verstehen. Eine Sprache zu lernen, heißt, sie zu erLEBEN, ihre Kultur zu spüren, ihre Spezialitäten zu genießen. Eine Sprache zu lernen, heißt, in sie einzutauchen.

Quelle: Pixabay (CC0)
In dem Sinn kann eine App schon hilfreich sein, weil sie mir dank des Smartphones als „Kulturzugangsgerät“ (Rosa, 2014) ermöglicht, immer und überall mit Sprache in Kontakt zu kommen. Wie Jöran Muuß-Merholz (@joeranDE) 2015 richtig formuliert hat, ist unser Smartphone eine kleine (oder große) Schatztruhe mit vielen Funktionen ("Hermines Handtasche mit unaufspürbarem Ausdehnungszauber"), die über SMS, Messenger-Dienste, Telefonie und was weiß ich hinausgeht. Die Liste einiger Funktionen hat Jöran Muuß-Merholz in seinem Blogpost zusammengefasst. Sie ließe sich aber noch um einiges verlängern. Ich kann also die Sprache hören (YouTube, Radio, Musik…), ich kann sie lesen (Zeitungen, E-Books, RSS-Feeds…), ich kann sie sprechen (Skype, WhatsApp, Hangouts…). Ich kann mit Natives in Kontakt treten (Twitter…), ich kann Interessantes nachschlagen (Wikipedia, div. Wörterbücher…). Ich kann in einer Sprach-App lernen und üben und bekomme auch Feedback. Wenn ich das möchte und das meiner Art zu lernen entspricht – denn wenn ich mich gegen eine App oder Anwendung wehre, dann habe ich auch keine Motivation mit ihrer Hilfe eine Sprache zu lernen…

Quelle: Pixabay (CC0)

Hier der Link zum Standard-Artikel "Lernen mit dem Smartphone erhöht die Motivation", falls ihn jemand lesen möchte. ;-)

Dazu passend auch ein Link auf die Schul-App-Seite der TU Graz (@sociallearning), auf der Apps für Deutsch und Englisch (speziell für Kinder) zu finden sind. Und auch der Link auf einen Artikel, der sich genauer anschaut, was es mit dem Digital Natives-Mythos so auf sich hat und sich kritisch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinandersetzt, die es zum Thema Mobile Geräte (fälschlicherweise) gibt.

Wer mobile Geräte gerne im Unterricht einsetzen will, wird vielleicht diese Ressourcen bzw. Artikel spannend finden:
[In nächster Zeit gibt's übrigens mehr zum Thema Mobile Learning, Apps und Co, da ich mich mit dem Thema auf unterschiedlichen Ebenen intensiver beschäftige.]

Dienstag, 2. Februar 2016

Ideen zum studierendenzentrierten Unterricht

Studierendenzentrierter Unterricht ist mehr als nur ein modernes Schlagwort. Es ist die grundlegende Forderung an ein Lehr- und vor allem Lernsetting, in dem die Lerner/innen im Zentrum stehen und konstruktivistisch und konnektivistisch lernen. Dabei steht nicht das Faktenwissen im Zentrum, sondern das Anwenden und Umsetzen, also das prozedurale Wissen. Kompetenzen werden entwickelt und geschärft.

Quelle: Pixabay (CC0)
Wer immer wieder - so wie ich - auf der Suche nach Methoden und Settings ist, die die Lehrperson zum Begleiter bzw. zur Begleiterin des Lernprozesses macht, wird auf der von Mia McKeenin zusammengestellten Übersicht Student Centred Instructional Methods sicherlich fündig.

[UPDATE] Markus Peißl hat in seinem Blog für eines der genannten Settings auch gleich ein Praxisbeispiel ausgearbeitet. In diesem Fall handelt es sich um das Thema "Modellieren von Funktionen", ein Beispiel aus dem Fach Mathematik.

Freitag, 29. Januar 2016

Mediennutzung von Lehrenden: einige aktuelle Beobachtungen

Ich bin in der letzten Zeit viel herum gekommen, habe einige Workshops und Seminare besucht und dabei wieder mal gemerkt, dass der Einsatz digitaler Medien im Unterricht doch so einiges an Stressmomenten zu verursachen scheint. Hier drei zentralen Beobachtungen:
Quelle: Pixabay (CC0)
  • Zum einen herrscht viel Angst in Bezug auf die Qualität der Materialien, die Daten und auch die Zuverlässigkeit von Web-Anwendungen vor. Und auch die Angst viel Zeit investieren zu müssen, z.B. in Recherchen, Trainings und einen neuen Erstellprozess, ist deutlich zu spüren.
  • Zum anderen wird mit einer gewissen Arglosigkeit an das Thema herangegangen, die eine kritische Reflexion vermissen lässt. Ich bin mir nicht sicher, woher diese beinahe schizophrene Einstellung kommt, bin aber gleichsam ein wenig erschrocken, dass sie so verbreitet ist. Dinge werden einfach verwendet und eingesetzt, ohne sie zu hinterfragen.
  • Wobei gleichzeitig eine gewisse Euphorie und der Wille, diese Anwendungen und Ressourcen sinnvoll und ohne vergeudeten Aufwand in den Unterricht zu integrieren, zu spüren sind.
Diese Wahrnehmungen zeigen sich konkret in folgenden Umständen (zumindest in meiner Wahrnehmung):
Quelle: Pixabay (CC0)
Und wenn hier die Basis nicht stimmt, ist es auch schwierig, Anwendungen und Ressourcen aus dem Web sinnvoll und angstfrei in den eigenen Unterricht zu integrieren. Das ist absolut verständlich. Und ich habe lange gegrübelt, woran diese – sagen wir – Mangelsituation liegen mag. Nik Peachey (@NikPeachey) scheint es ähnlich ergangen zu sein. Jedenfalls hat er in einem Blogbeitrag 11 Reasons why teachers don’t use technology zusammengefasst. Und die Gründe, die er hier zusammenfasst, entsprechen durchaus auch meiner Vermutung und Wahrnehmung. Diese Situation zu ändern, ist eine Herausforderung, die ich gerne in Angriff nehme.

PS: Hier übrigens ein Tipp zum Erstellen sicherer Passwörter ;-)

Donnerstag, 28. Januar 2016

Google Formulare mit Zeitlimit oder als Quiz

Google Formulare ist ein großartiges Tool, das sich nicht nur zum Erstellen von Umfragen eignet, sondern auch zum Erstellen von Quizzes. Um dies zu erreichen, ist das Add-on Flubaroo notwendig, das, kurz gesagt, über den Vergleich unterschiedlicher Eingaben funktioniert. Erstellt die Lehrperson eine Umfrage und füllt diese anschließend mit den "erwarteten" oder "richtigen" Lösungen aus, so nimmt Flubaroo diesen Fragebogen als Referenz, an dem die Leistungen der Lernenden gemessen werden. So wird aus einer Umfrage ein Quiz.

Quelle: Pixabay (CC0)
Eine zweite spannende und hilfreiche Funktion bzw. ein interessantes Add-on, nämlich Form Limiter, hat Richard Byrne in seinem Blog beschrieben und dazu auch gleich ein kurzes Video verfasst, um die Funktion bzw. die Anwendung zu veranschaulichen. Es geht hierbei darum, ein Zeitlimit in Umfragen via Google Formulare einzubauen. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, direkt im Script ein Limit zu setzen. Auch hierfür gibt es eine Anleitung.