Donnerstag, 29. Januar 2015

[EXKURS] Blogparade "Es war einmal die Lernlust"

Liebe auf den zweiten Blick

Wenn Bob Blume zur Blogparade unter dem Titel „Es war einmal die Lernlust“ aufruft und ich mich durch die Zeitform des Verbs irritiert fühle, dann sagt das vielleicht doch was aus, oder? Wobei ich mich kenne und wahrscheinlich oder ziemlich sicher ein wenig am Thema vorbeischreibe – vielleicht.

Ich erinnere mich ganz allgemein gerne an meine Zeit in der Schule und habe die Lernlust nie verloren. Da gäbe es wahnsinnig viele Beispiele für mich, die ich berichten kann: offener Unterricht von Anfang an, fächerübergreifender Unterricht, Game-Based-Learning, Problem-Based-Learning, zahlreiche Projekte und auch viel gestalterische Freiheiten. Allgemein hatte ich vielleicht Glück, das mag schon sein, aber all jene Konzepte, die heute in aller Munde sind, waren in meiner Schulzeit schon umgesetzt. Wir kollaborierten und kooperierten (nicht immer ganz offiziell ;-), agierten dabei selbstgesteuert und eigenverantwortlich und wir lernten auch fürs Leben und nicht nur für die Schule – non scholae sed vitae discimus. Das war uns damals nicht immer klar, aber der Umstieg in die Uni und das Hochschulleben fiel mir zumindest überhaupt nicht schwer.

Für mich besonders prägend war die siebte Klasse, also 11. Schulstufe, als wir mit Schulbeginn einen „Neuen“ in der Klasse hatten. Ein finnischer Austauschschüler verbrachte ein Jahr in unserer Klasse. Schnell war er der Schwarm scheinbar aller Mädchen – zumindest fühlte es sich so an. Durch Zufall saß er neben mir und wir hatten jede Menge Spaß. Er brachte mich nicht nur dazu, aktiv Englisch zu sprechen und meine deutschen Sprach- und v.a. Grammatikkenntnisse zu reflektieren, er brachte mich vor allem auch dazu, unsere österreichische und v.a. steirische Kultur nicht zu hinterfragen aber dennoch kritisch zu sehen. Was macht mich als Steirerin aus? In einer Zeit, in der sich viele selbst finden, fand ich nicht nur mich, sondern auch mein kulturelles und vielleicht interkulturelles Ich, denn gleichzeitig lernte ich die finnische Kultur kennen und entdeckte meine Liebe für Skandinavien. Der Abschied am Ende des Schuljahres fiel schwer und der Kontakt brach relativ rasch ab. Doch weiß ich jetzt, wie viel ich dieser – wenn auch befristeten – Freundschaft zu verdanken habe. Heute sagt man interkulturelles Lernen dazu, damals war es einfach eine Freundschaft in der Schule. Ich könnte hier so manche Anekdote aus dieser Zeit vor Facebook und sozialen Netzwerken erzählen und vieles fällt mir jetzt auch erst wieder aktiv ein.

Jedenfalls stärkte diese Begegnung meine Sprachaffinität. Ich studierte Französisch, später Italienisch und das auf Lehramt und habe viel Freude, meine Faszination für Sprachen und Kulturen an Lerner/innen weiterzugeben. Und ich hörte nicht auf, zu lernen und kritisch zu hinterfragen. In einer Sprache ist vieles „vielleicht einfach so“, zumindest auf den ersten Blick. Wenn man aber überlegt, gibt es für das eine oder andere eine Erklärung.

Liebe auf den zweiten Blick deswegen, weil nach der Schule im Studium so ein wenig die Zeit fehlte, um mich Skandinavien zu widmen. Nach dem Studium aber begann ich, Schwedisch zu lernen, Finnisch steht noch auf meiner To-do-Liste. Die Lernlust ist da – und heute ist es auch einfacher, mit Menschen in anderen Ländern Kontakt zu haben. Skype, Facebook und andere soziale Netzwerke ermöglichen den Austausch und damit – wenn man möchte – auch das Sprachen- und interkulturelle Lernen. Und da habe ich jetzt auch wieder Kontakt zum finnischen Austauschschüler J

Freitag, 16. Januar 2015

Selbstdarstellung und Privatsphäre - Was geht?

Als Fortführung meines Posts von gestern quasi heute was zur Selbstdarstellung online. Saferinternet.at hat schon im November 2014 eine Zusammenfassung der Selbstdarstellung von Mädchen und Burschen (im Sinne einer Gegenüberstellung) unter dem Titel Jugendliche im Internet: Wenn „Likes“ das Selbstbewusstsein bestimmen veröffentlicht. Besonders spannend finde ich das Dilemma „Auffallen durch Inszenierung“ und „Gefallen durch Authentizität“, eine Gratwanderung wie sie vielen innerhalb einer Peer Group bekannt sein dürfte. Ich denke, diese Gratwanderung haben alle mal mitgemacht und heutzutage hat sie eine neue Dimension bekommen durch die sozialen Netzwerke. Vielleicht kann man es nicht ganz vergleichen und der Vergleich hinkt auch irgendwie, aber das Grundproblem oder Grunddilemma ist ein altes.

Wenn man in diesem Zusammenhang das ebenfalls genannte Privacy Paradox berücksichtigt, dann zeigt sich das eigentliche „moderne“ Dilemma. Ich poste etwas Privates, obwohl ich weiß, dass es eigentlich zu privat, kompromittierend oder auch beleidigend ist, weil ich vielleicht ein gewisses Image kreieren oder unterstreichen möchte, weil der Druck in der Peer Group groß ist oder warum auch immer. Wir jetzt Erwachsenen sind in diese Situation hineingewachsen, wir (sollten) wissen, was wir posten können und was nicht. Die Jugendlichen von heute sind zwar vielleicht hineingeboren, aber das heißt nicht, dass sie gelernt haben, damit umzugehen. Sollen sie es von uns lernen? Können wir sie lehren, was man (nicht) posten kann, soll, darf, muss?

Ich habe den Eindruck, dass dieses Privacy Paradox gerade auch für viele Erwachsene zutrifft. Wenn ich mir so ansehe, was erwachsene Menschen aus ihrem Leben so posten, dann wird mir manchmal ganz anders. Ihre Spielergebnisse auf Facebook zum Beispiel (Sag, spielen die auch während der Arbeitszeit?) oder aber ihre Urlaubsfotos (Danke für den Hinweis, dass euer Haus jetzt mal für ne Zeit leer steht) oder auch ihren kompletten Tagesablauf (Ich wollte immer schon wissen, wann meine Facebook-Freunde wo was genau tun.). Aber am besten find ich irgendwie diese Sprüche des Tages-Geschichten, oder diese tollen „Gedanken“, die immer und überall gepostet werden und das Innere der Menschen irgendwie nach außen kehren. Nicht dass es mich stört, dass meine Pinnwand voll davon ist. Ich find’s zum Teil auch amüsant. Und ich finde es auch spannend, wie frei viele mit ihrer politischen Einstellung umgehen, indem sie die Aussagen (bekannter) Politiker/innen liken, kommentieren und teilen. Das macht das Profiling leicht.

Und deshalb bin ich mir nicht sicher, ob wir als (zukünftige) Eltern oder Lehrer/innen wirklich in der Lage sind, zu sensibilisieren. Was ist richtig, was ist falsch? Geht diese Dichotomie heute überhaupt noch? Was ist erlaubt? Was ist geduldet? Was ist verboten? Ich habe keine Antwort darauf, merke aber immer mehr, dass hier noch einiges zu tun und zu lernen ist. Vielleicht hilft uns die Zusammenstellung Das sind die digitalen Trends 2015 von Saferinternet.at zu den digitalen Trends, die uns 2015 bewegen werden, in der sowohl Gefahren als auch Chancen genannt werden, auf die wir 2015 in der digitalen Welt treffen werden.

Positiv stimmt mich da irgendwie die Studie zu Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt, in der steht dass ein großer Teil der jugendlichen Nutzer/innen in sozialen Netzwerken die Privacy-Einstellungen angepasst hat. Und gleichzeitig finde ich es erschütternd, dass jede/r siebente schon mal gemobbt wurde.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Social Media aus der Sicht eines (amerikanischen) Jugendlichen

Gestern schon mal über You Now gebloggt, heute etwas unaufgeregter ein Statement zu A teenager's view on Social Media. Wie sehen Jugendliche Social Media? Was nutzen Sie denn eigentlich? In Deutschland lässt sich - wenig überraschend - WhatsApp auf Platz 1 finden, wie Futurbiz berichtet. Ich gehe mal davon aus, dass es in Österreich genauso ist. Der subjektive Eindruck lässt mich jedenfalls so denken. Über WhatsApp hab ich schon öfter gebloggt. Ich möchte da auch gar nicht weiter in die Tiefe gehen, da sich ja auch nichts geändert hat.

Was ich viel spannender finde, ist der Beitrag A teenager's view on Social Media, in dem ein amerikanischer - nehme ich mal an - Teenager seine Sichtweise auf Social Media Anwendungen darlegt. Und die zeigen für mich ganz deutlich, dass die heutige Jugend stark auf Visualisierungen setzt. Das passt ja auch zur Beliebtheit von You Now. Instagram wird häufig genutzt, Vine ebenfalls, auf Facebook werden Fotos mit kurzen Kommentaren gepostet und keine Kommentare mit dazupassenden Fotos.

Das Fotografieren ist noch nie so leicht gewesen wie heute, also zumindest von der technischen Seite her (der künstlerische Aspekt sei dahingestellt). Hatte man früher die Kamera nicht immer eingesteckt, so ist das Handy heute doch immer dabei. Schnell lässt sich das Foto bearbeiten und auch hochladen und so in die ganze Welt verbreiten. Dass damit auch Gefahren verbunden sind, ist vielen klar, aber nicht allen. Fotos verraten viel über uns. Möchten wir sie mit der ganzen Welt teilen?

Heute stelle ich mir diese Frage. Möchte ich, dass auch Fremde dieses Bild sehen oder diesen Kommentar lesen? Früher war das anders, da haben meine Briefchen vielleicht auch nicht nur diejenigen gelesen, für die sie bestimmt waren... Oder ganz sicher sogar. Und schon da war es peinlich, wenn andere mich dann drauf angesprochen haben... Aber vielleicht greifen deswegen auch viele Jugendliche auf Snapchat zurück, das aber auch die Vergänglichkeit der Nachricht eigentlich nur vorgaukelt. Aber das ist wohl eine andere Geschichte.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Und täglich grüßt die Privatsphäre...

Die Sache mit der Privatsphäre ist heutzutage eine eigene. Zum einen beschweren sich Menschen, dass sie keine Kundenkarten haben möchten, weil man dann nachvollziehen kann, was sie so einkaufen oder dass sie Google blöd finden, weil Google alles weiß; zum anderen gehen sie mit ihren persönlichen Daten auch nicht gerade sorgsam um. Sie posten Fotos auf Instagram und geben damit Einblick in ihr Lebensumfeld und in ihre Reise- oder Urlaubsgewohnheiten, sie berichten freimütig auf Facebook über ihre Lese- und Essgewohnheiten und twittern inkl. Standortangabe ihre Gedanken und ihre Einstellungen zu unterschiedlichen Themen.

Daraus lassen sich ganz wunderbar Profile erstellen, nicht nur von Profilern wie man sie aus Criminal Minds oder anderen Serien so kennt, sondern von jedem einzelnen von uns. Sie geben sehr viel Privates von sich preis, ohne es vielleicht zu wissen, vielleicht ist es ihnen auch egal, was man im Hintergrund auf einem Selfie so erkennt. Aber das kann auch ziemlich in die Hose gehen. 

Auf dem Blog von Bob Blume gibt es dazu einen aktuellen Beitrag zu You now, eine Plattform, die anscheinend gerade en vogue zu sein scheint. Früher mal Vine, jetzt You now? Im Grunde genommen ist es egal, wie die Plattform oder die Anwendung heißt. Wichtig ist, dass wir uns darüber bewusst sind, was wir von uns preisgeben und wer alles mitlesen oder mitschauen kann. Medienkompetenz ist gefragt, oder eine gesunde Skepsis. Besonders die Videos der beiden YouTuber am Ende des Postings finde ich spannend. Klar, jeder hat seinen eigenen Stil, aber beide scheinen sich wirklich Gedanken und gleichzeitig Sorgen zu machen.

Es ist scheinbar noch nicht durchgedrungen, dass man mit Informationen über sich selbst sparsam umgehen sollte – oder überlegen sollte, was man wo zu wem sagt. Ich laufe auch nicht in der Stadt herum und halte ein Transparent mit meiner Handynummer hoch oder poste, wann ich wohin auf Urlaub fahre oder wo ich mich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit aufhalte… Wieso tun es aber so viele in der virtuellen Welt? Ist hier die Hemmschwelle niedriger? Glaube sie immer noch, dass es in sozialen Netzwerken so etwas wie Privatsphäre gibt?