Freitag, 19. Juni 2015

Gutes Präsentieren ist erlernbar – und will gelernt sein!

Präsentationen schnitzen, wie ich es nenne, ist eine Aufgabe, an der man in der Lehre und der Wissenschaft nicht vorbeikommt. Egal ob bei Vorträgen oder in der Lehrveranstaltung, die Visualisierung einzelner Inhalte spielt eine zentrale Rolle. Und es ist auch immer wieder spannend zu sehen, wie Menschen präsentieren. 

Wie so oft im Leben macht die Mischung den Kick aus. Und mit einer guten Mischung aus Präsentationen wird auch unterschiedliche Präferenzen des Publikums entsprochen, von den Lerntypen will ich hier nicht wieder anfangen [die Idee ist ja ein Mythos, wie Will Thalheimer zusammenfass]. Wenn man aber in einer Tagung sitzt und die zehnte Präsentation sieht, die mit PowerPoint erstellt wurde, dann wird es fad. Wenn noch dazu ALLE möglichen Effekte einer Präsentation ausgenutzt werden, dann ermüdet man noch schneller. Genauso geht es dem Publikum aber auch, wenn das Layout minimalistisch gehalten ist. Von den Textanteilen nicht zu sprechen. Bei so mancher Präsentation wünscht man sich eine Lupe, bei anderen einen roten Korrekturstift und bei manchmal, ja manchmal eine Taste zum Vor- und Zurückspulen. Man kennt das ja. Und zum richtigen oder, sagen wir, zum wirkungsvollen und nachhaltigen Präsentieren gibt es massenweise Bücher, Links und Ideen. Und dennoch werden die gleichen „Fehler“ immer wieder gemacht. [Von Urheberrechtsverletzungen möchte ich gar nicht anfangen.]

Ich möchte das Thema Präsentieren heute dennoch mal wieder aufgreifen, auch weil wir im Juli dazu einen Workshop an der Universität Graz halten werden. Denn eigentlich ist die klassische PowerPoint ja nur eine von vielen Möglichkeiten, Inhalte in einer seriösen, ansprechenden, wirkungsvollen oder wie auch immer gearteten Weise zu präsentieren. Dazu ein paar Fundstücke aus dem Netz:
  • Mohamed Amin Embi hat im Dezember 2014 auf Slideshare eine Präsentation, oder vielmehr ein PDF, gepostet, in dem er Web 2.0 Presentation Tools: A Quick Guide anbietet. In diesem Guide präsentiert er unterschiedliche alternative Präsentationmöglichkeiten, darunter Powtoon, Emaze, Prezi, Haiku Deck und viele mehr. Von der multimedialen Aufbereitung in Videoform mit verspielten Cartoon-Elementen bis zur klassischen Präsentation ist vieles dabei.
  • Eine zweite Übersicht über unterschiedliche Tools, allerdings in französischer Sprache, liefert PowerPoint et les autres - le Top 10 des outils de presentation. Hier werden vor allem digitale PowerPoint-Alternativen angeführt, die das lineare Präsentieren ermöglichen. Ein Pluspunkt dieser Übersicht ist die Tatsache, dass auch immer der point fort, also die Stärke der Anwendung genannt wird.
  • Eine wunderbare Alternative zur Präsentation sind, in meinen Augen, Sketchnotes, die jedoch auch als Mitschriften eines Vortrags oder einer Präsentation entstehen können. Herr Mess (@herr_mess) zeigt in seinem Blog ein großartiges Beispiel aus dem Lateinunterricht. Weitere Beispiele finden sich bei Luka Peters (@edaktik) zum Beispiel. Das Video Sketchnotes für Einsteiger, entstanden auf der re:publica, ist Inspiration und Einstieg zugleich.
  • Aber auch Messenger-Dienste eignen sich für Präsentationen? Instagram als Foto-Version von Twitter, wenn ich das so schreiben darf, bietet zahlreiche Möglichkeiten Inhalte zu präsentieren und Geschichten zu erzählen. Ein Beispiel ist das Projekt #InstagramELE aus dem Spanischunterricht. In Kombination welcher Apps Instagram zum Geschichten-Erzählen genutzt werden kann, zeigt der Beitrag 5 Free Apps to Tell Creative Stories on Instagram.

Donnerstag, 18. Juni 2015

JIM, KIM und miniKIM

Wer sich dafür interessiert, was Jugendliche und Kinder in ihrer Freizeit so machen, welche Medien sie aktiv wie auch passiv nutzen, findet in den unterschiedlichen Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) hilfreiche Informationen oder erste Anhaltspunkte. Die Erhebungen werden jährlich unter deutschen Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Altersgruppen durchgeführt. Das Wunderbare am mpfs ist aber die Tatsache, dass die Graphiken übernommen und in eigenen Präsentationen verwendet werden würden. Eigene Foliensätze werden hierfür zur Verfügung gestellt.
  • Die JIM-Studie erhebt dabei die Gewohnheiten der 12- bis 19-Jährigen. 
  • Die KIM-Studie konzentriert sich auf die Sechs- bis 13-Jährigen. 
  • Die miniKIM-Studie betrachtet die Gruppe der Zwei- bis Fünfjährigen. 
Zusätzlich wird auch das Infoset Medienkompetenz: 10 Fragen - 10 Antworten zur Verfügung gestellt. Eltern, Erzieher/innen, Lehrer/innen und andere Interessierte finden hier zu unterschiedlichen Themen Materialien in Hinblick auf den Medienumgang der Kinder und Jugendlichen. Als Beispiele sind Medien und Wirklichkeit sowie Internet angeführt.

Ähnliches Infomaterial findet sich auf der Seite von Saferinternet.at. Hier lassen sich unterschiedliche Flyer, Unterrichtsmaterialien und Folder finden, die an die jeweiligen Zielgruppen (Eltern, Lehrer/innen, Schüler/innen und Seniorinnen und Senioren) angepasst sind. Ein Blick in die Extras lohnt sich jedenfalls, denn hier finden sich z.B die kompakten Privatsphäre-Leitfäden für unterschiedliche Social-Media-Plattformen.

Montag, 15. Juni 2015

Versäumt man was, wenn man nicht auf Social Media aktiv ist?

Vor dem Wochenende noch schnell über Korrelation und Kausalität gebloggt und heute kommt auch schon ein Beispiel (vom März 2015) daher: Deutsche Bildungsbürger scheuen Facebook & Co. Lässt uns diese Grafik vermuten, dass es eine Kausalität zwischen der Nutzung von Social Media und Bildung gibt? Gaukelt sie uns diese Verbindung vor? Oder lässt sich eine Korrelation erkennen? Die Frage dürfte nicht allzu schwer zu beantworten sein. Oder doch?

Public Domain (Pixabay)
Jedenfalls versäumen all diejenigen, die sich auf keinem Social Media Portal bewegen so einiges. So zum Beispiel den Blogbeitrag Andreas Wittkes (@onlinebynature) über YouTube und der Algorithmus des Urheberrechts, der zugegeben vor allem jene interessiert, die YouTube als Producer und nicht nur als Consumer nutzen und dabei zeigt, wie ausfeilt der Algorithmus von YouTube ist, aber auch wo er an seine Grenzen stößt. Diesen Post hat Andreas auf Google+ geteilt und von dort habe ich ihn auch.

Die Nicht-Social-Media-Nutzer/innen versäumen aber noch ganz andere Dinge, so zum Beispiel eine neue Hashtag-Serie auf Twitter: #SpruchausderKindheit. Unter diesem Hashtag werden Sätze, wie sie unsere Eltern und Großeltern immer wiederholten, gesammelt. Der Stern hat einige davon zusammengetragen. Aber lesen Sie selbst ;-)

Und wer auf Facebook nicht zumindest mitliest, könnte Artikel wie Der Uni-Versager: So funktioniert der Hausarbeiten-Bluff versäumen, der eindrucksvoll zeigt, dass Lurking keine Erfindung des digitalen Lernraums ist, sondern auch in einer traditionellen, klassischen Bibliothek wunderbar ausgeübt werden kann.

Die sozialen Netzwerke also. Ich habe vor einiger Zeit schon über Mein Social Media-Ich geschrieben. Zur Zeit liegt diese Selbstbetrachtung bzw. die Reflexion des eigenen Handelns und Wirkens auf Social Media Plattformen voll im Trend. Über 1500 Personen nehmen gerade am MOOC Mein digitales Ich, kurz #ichMOOC, teil und reflektieren, sichten und vernetzen sich dort. Viele nehmen die Teilnahme aber einfach auch nur zum Anlass, die eigenen Rollen und Positionen zu überdenken. Wer bin ich? Wie wirke ich? Die Teilnahme am MOOC auf MOOIN ist jedenfalls zu empfehlen.

Wie ich von diesem MOOC erfahren habe? Natürlich über Social Media Kanäle ;-)

PS: Und die Liste ist nicht vollständig. Wenn ich da an die Vernetzung im #EDchatDE (@EDchatDE) denke (jeden Dienstag, 20:00 - 21:00 auf Twitter) oder die Facebookgruppen oder die Communities auf Google+. Von den beruflichen Netzwerken gar nicht zu reden....

Freitag, 12. Juni 2015

Korrelation # Kausalität oder: Katze # Hund

Heute mal was ganz Kurzes: Beim Lesen (wissenschaftlicher) Arbeiten ebenso wie journalistischer Texte sticht immer wieder mal ins Auge, dass scheinbar ein Problem in der Identifizierung von Kausalitäten und Korrelationen stattfindet. Spricht: Korrelationen werden als Kausalitäten interpretiert, verstanden oder als solche "verkauft". Beispiele gefällig? Dann sehen Sie hier.

Und wer dabei nicht zum Schmunzeln kommt, für den gibt es - als Ablenkung von der großen Hitze - ein wenig Katzencontent für das Wochenende - mit einer ganz eigenen Message. ;-)

Public Domain (Pixabay)

Be more dog!

In diesem Sinne:

Schönes Wochenende!

Mittwoch, 10. Juni 2015

Und täglich grüßt das Murmeltier, die 2. Oder: Das liebe Urheberrecht

Im gestrigen #EDchatDE zum Thema Medienkonzepte fiel die Diskussion gegen Ende mal wieder auf das Thema Urheberrecht. Dabei gestalteten sich die Wortmeldung zwar übereinstimmend, doch hitzig und durchaus emotional (was per se nicht als Widerspruch aufgefasst werden soll, wenngleich die niedergeschriebenen Worte es vermuten lassen). Im Lehr- und Lernkontext ist das Urheberrecht nun mal eine der Rahmenbedingungen, die unter allen Umständen zu beachten ist. Das trifft die Leistungen und Ressourcen der Lehrenden ebenso wie jene der Lernenden (ob Primar-, Sekundarstufe oder Hochschulbereich). Das Missachten des Urheberrechts und verwandter Rechtsbereiche ist schon längst kein Kavaliersdelikt mehr. Und war es eigentlich auch nie. Die Diskrepanz zwischen Vorgaben und Realität klaffen aber, so mein persönlicher Eindruck, seit der zunehmenden Digitalisierung auseinander (übrigens eine allgemeine Beobachtung, die ich heute schon mit Dejan Mihajlović (@DejanFreiburg) auf Twitter diskutierte). Noch nie war es einfacher, von Lernerinnen und Lernern erstellte Artefakte öffentlich zu machen und v.a. zur Verfügung zu stellen. Dies zeigt auch die Sammlung 44 Diverse Tools To Publish Student Work auf TeachThought.

Die Situation in Österreich ist aber auch wirklich eine seltsame: Ich darf urheberrechtlich geschützte Materialien nicht auf einen Server stellen, darf aber einzelne Belegexemplare per Mail verschicken, im für den Unterricht notwendigen Umfang an die am Unterricht teilnehmende Personengruppe, um es so zu formulieren. Näheres findet sich übrigens im von Martin Ebner (@mebner) und Sandra Schön (@sandra_schoen) herausgegebenen Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T) im Artikel Urheberrecht & Co. in der Hochschullehre - Rechtliche Aspekte des Technologieeinsatzes beim Lehren und Lernen von Jan Hansen & Heike Seehagen-Marx (2013).

Ohne genauer darauf eingehen zu wollen, und zwar wirklich, verwende ich – nicht nur sicherheitshalber sondern aus Überzeugung - Materialien, die als Open Educational Resources zur Verfügung stehen, wie eben L3T, oder die Kursmaterialien auf iMooX oder mooin. Und bin deshalb auch ständig auf der Suche nach neuen Quellen für Bilder und Videos oder Ähnlichem. Und deshalb blogge ich dazu auch regelmäßig, eben weil mich das Thema a) interessiert und b) in der Lehre ständig betrifft. Ich möchte nicht missionieren (ok, vielleicht doch ein bisschen), aber zumindest sensibilisieren und dabei auch Quellen und Links sammeln, die helfen, Lehre frei von Ängsten in Hinblick auf Urheberrechtsverletzungen zu gestalten. Deshalb hier einige nützliche Links und Quellen:
Und noch eine Notiz am Rande, oder eigentlich ein kleines Goodie, das wenig oder eigentlich nichts mit dem Urheberrecht zu tun hat, über das ich mich aber so freute, dass ich es nun gleich in diesen Post mitnehme:
  • Die Seite Lehrer-Online.de stellt sehr wertvolle Unterrichtsmaterialien und Anregungen für den Unterricht zur Verfügung, vieles davon als OER. Und jede Woche veröffentlicht die Redaktion ein Webfundstück. Diese Woche ist der Legoizer dran. Mit seiner Hilfe lässt sich jedes Foto in eine Lego-Bauanleitung inkl. Bedarfsliste verwenden. Einfach ausprobieren – mein Legovorrat zuhause wird sicherlich bald wieder zum Einsatz kommen.

Dienstag, 9. Juni 2015

Und täglich grüßt das Murmeltier. Oder die Frage nach dem „Besser Lernen“ mit digitalen Medien im Unterricht

Zurzeit läuft ja gerade eine von Christian Ebel initiierte Blogparade unter dem Titel Mit digitalen Medien besser lernen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich nehme nicht ausdrücklich an dieser Parade teil, möchte aber doch ein paar durch die Beiträge inspirierte Gedanken loswerden, die mich gerade beschäftigen – oder eigentlich schon länger beschäftigen.

Ich bin mir wohl bewusst, dass gerade bei Blogparaden die Titel auch so formuliert sind, dass es ein „Schreibpotential“ gibt, aber ich stoße mich doch immer wieder an der der Besser-Schlechter-Formulierung und dem Entweder-Oder-Ansatz, wie sie in derartigen Diskussionen immer wieder zu lesen sind. Ich frage mich, wie kann man „besser“ definieren? Und wie „schlechter“? Was ist unser Bezugs- oder Vergleichspunkt der Bewertung? Wann lerne ich besser? Wenn ich Kompetenzen entwickle? Wenn ich gute Noten habe? Wie objektiv sind gute Noten? Ich möchte Martin Lindner (@Martin Lindner) zitieren, der in seinem Beitrag zur Blogparade schreibt „In mindestens der Hälfte aller Fälle ist es besser, man versucht sich in eigenwillige und beschränkte Blickwinkel der jeweiligen Lehrkraft einzufühlen.“ Er meint damit, dass die Lehrkraft das Wissen vorgibt und die Schüler/innen Wissen wiederkauen anstatt in die Tiefe zu lernen. Dass Schüler/innen nicht über den Tellerrand blicken, weil es genügt, das von der Lehrkraft zur Verfügung gestellte Wissen zu reproduzieren, oder sogar unerwünscht ist, eigene Interpretationen, Ansätze und Ideen einzubringen. Ich habe schon mehrmals dazu geschrieben und bin auch hier geneigt, mich darüber aufzuregen, dass Kreativität und Eigenständigkeit der Lerner/innen unterdrückt werden. Das hat zum Teil mit dem System zu tun (Stichwort: zentralisierte Reifeprüfung), zum Teil auch mit der Angst vieler Kolleginnen und Kollegen, Fehler zu machen. Und diese Angst findet sich auf vielen Ebenen: Lehr- und Lernmaterialien werden nicht ausgetauscht, weil man Angst vor Fehlern hat, oder auch vor Urheberrechtsverletzungen (man weiß nicht mehr, ob man die Materialien selbst zusammengestellt oder zusammenkopiert hat). Man möchte seine eigene Lehre nicht sichtbar machen, aus Angst kritisiert zu werden. Hospitationen sind eine Qual, ebenso Supervisionen – sie werden als „Eingriff in den Unterricht“ gesehen, wie Bob Blume (@legereaude) schreibt. Und leider hat er Recht. Die Tür zum Klassenzimmer bleibt versperrt, aus Angst vor dem eigenen Versagen, vor Kritik, wovor auch immer. Und immer neigen wir Lehrende dazu, uns für unser eigenes Handeln zu rechtfertigen. Und wenn man sich aktuelle Diskussionen anhört – ich erinnere an die 22-Stunden-Aussage des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl – dann wundert es mich nicht, wenn Lehrer/innen sofort in eine Rechtfertigungsschiene verfallen. Richard David Precht (@richprecht) beschreibt dieses Phänomen übrigens in seinem durchaus lesenswerten Buch Anna, die Schule und der liebe Gott sehr gut. Wer die Anspielung im Titel versteht, weiß auch, worauf das Buch abzielt.

Genau deshalb verstehe ich nicht, wieso digitale Medien in Diskussionen, die sich offensichtlich mit der Qualität von Unterricht beschäftigen, so explizit herausgehoben werden. Einmal mehr möchte ich unterstreichen, dass digitale Medien auch nur Medien unter vielen anderen sind. Und wie Martin Lindner auch so treffend schreibt, haben viele unterschiedliche Medien im Unterricht ihre Daseinsberechtigung, weil es ja gar nicht um die Medien geht, sondern um die Methoden. Nicht das Entweder-Oder, sondern das Sowohl-Als-Auch zählt. Dazu schreibt Philippe Wampfler (@phwampfler) richtig „Vielmehr macht er didaktische Settings möglich, die schon in analogen Zeiten als fruchtbar erkannt wurden, aber kaum je umgesetzt werden konnten.“ Mit „er“ ist der digitale Mehrwert gemeint. Und noch prägnanter formuliert Philippe Wampfler es am Ende seines Beitrags: Digitalisierung „erweitert das didaktische Repertoire für Lehrpersonen.“ Ein schönes Beispiel kommt von Heiko Schneider (@Hokeys) mit seiner „Erweiterung dieser Schreibkonferenzen in den digitalen Raum“, Philippe Wampfler nennt Urs Hennings Ansatz (@urshenning) inspirierend.

Doch geht es eigentlich nicht um die Methoden, sondern um die Schüler/innen, die Lerner/innen. Bob Blume formuliert seine Sicht der Dinge (gewohnt) überspitzt aber/und (gewohnt) treffend: „Denn diejenigen, um die es geht (also die Lehrer_Innen), werden von dieser Blogparade entweder nichts mitbekommen oder so lange an ihrem egozentrischen Weltbild festhalten (Es dreht sich um den Lehrer), bis sie per päpstlicher (aka kultusministerieller Bulle) dazu gezwungen werden, einen Wandel anzuerkennen (also nie).

Es geht nicht um die Lehrer/innen, sondern die Schüler/innen. Mit einem breiten didaktischen Repertoire bringe ich Vielfalt in den Unterricht und damit spreche ich unterschiedliche Schüler/innen oder Lerner/innen an. Egal ob man hier die Lerntypen strapazieren will, oder nicht: Unterschiedliche Methoden und Sozialformen sprechen unterschiedliche Personen an, weil sie sich mit einzelnen Methoden und Sozialformen einfach wohler fühlen als mit anderen. Ich zum Beispiel finde Ball-Werf-Spiele (auch mit virtuellen Bällen) absolut furchtbar und ich sträube mich dagegen. Mit dieser Methode möchte ich nicht lernen. Für andere ist vielleicht das gemeinsame Schreiben problematisch, für andere wiederum ein Cyberstorming unter Zeitdruck. Gerade deswegen sind Medien- und Methodenvielfalt so wichtig. Instruktion und Konstruktion wechseln sich im besten Falle ab und manchmal darf man auch in die Kaffeeküche zum losen Plaudern - oder in der digitalen Welt auf Facebook, wie Jöran Muuß-Merholz (@joeranDE) so schön schreibt. Wenn ich weiß, was ich erreichen will, wenn ich weiß, wohin ich will, wohin der Weg mich führt, dann richte ich mich mit den passenden Medien ein - ob Badeanzug oder Wanderschuhe, ob Sonnenmilch oder Winterhaube. Und vielleicht auch alles gemeinsam.

Mein Fazit: Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Aber das hatten wir schon.

Montag, 8. Juni 2015

Digitale Gedankensplitter (Teil 1)

Üblicherweise schreibe ich meine Blogposts ja gerne freitags, so grade vor dem Wochenende. Dieses Mal aber war ich am Freitag abseits von Digitalien im Garten. Ganz ohne mobile Device, nicht ganz ohne Internet, aber doch. Und so hat sich über das verlängerte Wochenende so manches angesammelt, das ich nun in gesammelter und strukturierter Form weiterzugeben versuche. Sie haben alle mit dem Thema „open“ zu tun, auf die eine oder andere Weise.

Da wäre zum einen die Urheberrechtsnovelle in Österreich, deren Entwurf hier nachzulesen ist, und dessen Konsequenzen bzw. Tragweite sich erst zeigen wird/werden. Die Lektüre ist schon spannend, wenngleich nicht ganz einfach. Hier noch ein kurzes Video von Michael Kopp (@koanmi), das eine kompakte Zusammenfassung des Urheberrechts liefert. Und gleichzeitig ein kurzes Statement von Kathrin Reckling-Freitag aus dem April 2014 unter dem Titel Wenn das Urheberrecht zur Bremse wird… Weil dieser Beitrag einfach den Nagel auf den Kopf trifft.

Da wäre zum anderen das Thema MOOCs und ihre Offenheit nach allen Seiten. Wer sich in den letzten Tagen mit Coursera beschäftigt hat, wird sehen, dass es in Hinblick auf die Kursbescheinigungen eine Neuerung gibt. Die Statements können nicht mehr kostenlos mit der LinkedIn-Seite verknüpft werden, die Leistungen sind somit nicht mehr so einfach sichtbar zu machen. Der Coursera Junkie hat darüber einen ausführlichen Blogpost geschrieben und gleichzeitig auch versucht, die Hintergründe zu erklären. Mit der Überschrift Free MOOCs? Forget about it. ist er ziemlich reißerisch, das gebe ich schon zu, aber dennoch gibt der Beitrag zu denken. Werden die Coursera-MOOCs nur mehr im jetzigen Signature Track verfügbar sein? Ist das das Geschäftsmodell dahinter? Soll der eigene Lernerfolg jetzt nicht mehr sichtbar gemacht werden können? Es gibt viele Fragen dazu. Michael Kopp (@koanmi) hat die Frage How Long Will MOOCs Remain Free for the General Public? im November 2014 ja auch schon mal ausführlich beantwortet.

Umso erfreulicher ist der Umstand, dass es auf den deutschsprachigen MOOC-Plattformen, nämlich mooin und iMooX, die ja gemeinsam den MOOChub bilden, möglich ist, Badges für Teilleistungen zu erwerben, die die eigene Leistung portionsweise sichtbar machen. Auf iMooX trifft dies den COER, auf mooin habe ich Badges im HanseMOOC gesammelt. Und mich über jeden gefreut ;-)
Gemeinsam mit Martin Ebner (@mebner) und Mohammad Khalil (@TUMohdKhalil) habe ich dazu den soeben in den eLearning Papers n42 Design Patterns for Open Online Teaching and Learning erschienenen Beitrag MOOCs as granular systems: design patterns to foster participant activity geschrieben. Der Vorschlag darin, MOOCs als granular und nicht als Kurse zu sehen. Frei nach dem am Symposium „Emerging Models of Learning and Teaching in Higher Education: From Books to MOOCs?” in Stockholm oftmals wiederholten Motto: Wenn ich ein Lehrbuch kaufe, zwinge ich meine Studierenden nicht es linear von vorne nach hinten zu lesen. Wieso soll ich es in einem MOOC machen.

Bleibt noch der offene Umgang mit sensiblen Themen in sozialen Netzwerken und dem Internet allgemein. „Offene Gespräche sind besser als Filtersoftware.“ So lautet eine der goldenen Regeln aus dem Folder Die wichtigsten Tipps für den sicheren Umgang mit digitalen Medien, die Jugend und Medien, das Schweizer nationale Programm zur Förderung von Medienkompetenzen herausgegeben hat. Auch die übrigen Regeln sind lesenswert, aber ich denke, dass das offene Gespräch ein wichtiger Punkt ist, der immer wieder vergessen oder vielleicht auch nicht so stark beachtet wurde. Wenn ich in meinem Freundeskreis höre, dass Zeichentrickserien mittlerweile in abgeschwächter Version vorhanden sind, als Beispiel Tom & Jerry, weil zu viel Gewalt gezeigt wird, die zum Nachahmen einlädt, so frage ich mich doch, ob mit den Kindern diese Themen nicht mehr besprochen werden. Ich kann mich daran erinnern, dass wir zuhause über Filme und Serien bzw. deren Inhalte gesprochen haben. Aber meine Schüler/innen haben mir immer wieder mitgeteilt, dass ihre Eltern nur selten mit ihnen über Themen wie Sexualität und Gewalt sprechen. Ich frage mich, warum das so ist. Deshalb gefällt mir diese goldene Regel auch so gut. Der offene Umgang mit gewissen Themen ist besser, als bloße Verbote. Das trifft ja auch auf das Thema Smartphones, Tablets und andere Wearables im Unterricht zu. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Dienstag, 2. Juni 2015

Fundstücke (nicht nur) zum Thema OER

Der Online-Kurs zu Open Educational Resources (COER) läuft auf iMooX (@iMooXst) nun bereits die vierte Woche. Grund genug für mich, in einem Blogpost ein paar Fundstücke zum Thema vorzustellen. Ich danke den edlen Spenderinnen und Spendern für die Links, die sie in sozialen Netzwerken geteilt haben und die mich auf die richtige Fährte gelockt haben.

Pexels ist eine Bilderdatenbank für Bilder, die unter einer CC0-Lizenz stehen und somit in der Lehre ohne Attribuierung verwendet werden dürfen. Sie reiht sich somit in eine Linie mit Pixabay oder auch Unsplash, Splashbase und dem Public Domain Archive ein.

Die Webseite Content Captain hat Ende Mai einen Beitrag unter dem Titel HIER KOMMT EINE LINKLISTE, DIE EUCH VIEL GELD SPAREN WIRD – VERSPROCHEN! veröffentlicht, in dem der Autor Marco Eisenack einige Quellen zu Bilderdatenbanken zusammengetragen hat. Die dort gesammelten Bilder stehen unter unterschiedlichen Quellen. Danke an Michael Kopp (@koanmi) für den Hinweis!

Eine Webseite, die die Suche in unterschiedlichen Datenbanken (für Bilder, Icons, Videos und Sounds) erlaubt bzw. ermöglicht, ist AllTheFreeStock. Hiermit können unterschiedliche Datenbanken durchsucht werden, die Ressourcen unter CC0 anbieten. Danke an Kurt Tutschek (@tutschek) für diese Ergänzung und diesen Hinweis!

Open Attribute ist ein Browser-AddOn, das das korrekte Attribuieren von Bildern, die unter einer CC-Lizenz stehen, erleichtert. Die korrekte Attribution wird automatisch per Knopfdruck erstellt. Danke an Martin Ebner (@mebner) für diesen Hinweis!

Photo for Class macht etwas Ähnliches. Es durchforstet Flickr nach Fotos, die unter Creative Commons stehen und beim Download werden alle für die Attribution notwendigen Informationen direkt in einem schwarzen Balken zum Bild hinzugefügt. Das sieht sehr praktisch aus. Danke an Tobias Raue (@TobiRaue) für deinen Beitrag Die faire Fruchtverzierung - vollständige Bildquellen mit Photo for class.

PiMagic ist ein sehr einfaches Bildbearbeitungstool, das sich besonders dann gut eignet, wenn es schnell gehen muss. Bilder können hier basal bearbeitet werden: Drehen, Zuschneiden, Ausschneiden, grundlegende Farbveränderungen durch Hinzufügen von Effekten ist möglich.

Internet based language teaching ist der Titel eines Workshops, den Thomas Strasser (@thomas_strasser) letzte Woche in Lausanne gehalten hat. In den Folien zum Workshop versteckt er kleine Tool-Schätze, die jede/r kennen sollte, wobei er sich – in gewohnter Weise – nicht auf ein Tool konzentriert, sondern mehrere Tools nennt, die als Medium dienen. Es geht schließlich nicht primär um das Medium (die Technik) sondern die Methode (die Didaktik). Danke Thomas fürs Bereitstellen der Folien!