Freitag, 21. August 2015

Die Zeiten ändern sich

Blicken wir der Tatsache ins Auge. Die Zeiten ändern sich. Ob zum Guten oder zum Schlechten möge jede/r für sich selbst beantworten. Wahrscheinlich auch situationsabhängig. Aber wir sehen die Veränderungen in unserer Umgebung (und nein, ich meine nicht die Klimaerwärmung – wobei: die auch!).

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  • Nehmen wir die Sprache: Sprache ändert sich, sie wandelt sich. Neue Begriffe kommen hinzu, andere verschwinden. Was bei Opa noch dufte war, ist heute bambus. Wer erinnert sich noch an das Jugendwort des Jahres 2014? Na klar: Läuft bei dir. Wer hat’s gewusst? ;-) [Fast so heißt übrigens auch die neue CD der Wise Guys Läuft bei euch – die Jungs gehen eben voll mit der Zeit.] Die Jugendsprache gilt dabei als besonders innovativ. Dieser Sprachwandel lässt sich auch im Englischen nachvollziehen (wie die Updates im Oxford Dictionary zeigen) und auch die Académie française reagiert darauf mit neuen Einträgen in der 9. Auflage.
  • Nehmen wir wissenschaftliche Arbeiten: Es wird immer wieder darüber diskutiert, ob Wikipedia eine zitierbare Quelle ist). Und immer häufiger steht man vor dem Problem, wie man aus Blogs und sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook zitieren solle. Die Schreibwerkstatt hat hierzu einen guten Überblick zusammengestellt. Die großen Zitationsstile haben diesen Punkt bereits aufgenommen. Und auch das Thema Zitieren von E-Books ist ein spannendes. MLA und APA, um zwei Beispiele zu nennen, haben darauf bereits reagiert. 

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  • Nehmen wir Emoticons: Wer dachte, er hätte die Welt der Emoticons und Abkürzungen in der SMS- und Messenger-Sprache verstanden, der irrt. Denn auch hier gibt es einen Wandel. LOL hat ausgedient. Stattdessen wir wiedergelacht: haha . Wer hier den Überblick nicht verlieren will, muss einfach aktiv bleiben. SRF hat eine Sammlung häufiger und nicht so häufiger Abkürzungen zusammengestellt. Ich hab dazu ja auch schon mal gebloggt.
  • Nehmen wir die Einstellung der Studierenden: Sind aktuelle Studierende fauler oder schlechter als frühere Generationen? Sind sie effizienter, fokussierter und pragmatischer? Sind sie angepasster? Ich durfte dem wunderbaren Bob Blume (@legereaude) zu diesem Thema auf seinem Blog Rede und Antwort stehen. Und es ist spannend, wie viele Kommentare es in den Social Networks dazu bereits gegeben hat. Hat sich hier etwas verändert? Oder ist eigentlich alles beim Alten? Die Diskussion zeigt, dass diese Frage viele betrifft und deshalb auch interessiert. Eine Antwort darauf kann – zumindest ich – nur aus meiner eigenen Erfahrung heraus und somit sehr subjektiv geben. Nachzulesen bei Bob Blume unter „Querdenken nicht erlaubt!“.

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  • Nehmen wir das LesenEbooks are changing the way we read, and the way novelists write lautet die Überschrift eines Artikels im Guardian. Das hat mit den unterschiedlichen Ichs zu tun, die wir in der heutigen Zeit einnehmen (dazu: Mein Social Media-Ich). Das hat auch mit unseren Lesegewohnheiten zu tun. Und mit unserer Aufnahmefähigkeit. Das Lesen ändert sich. Und es beeinflusst das Schreiben. Wie lesen Sie?

Die Zeiten ändern sich, oder?

Donnerstag, 20. August 2015

Generation 140 Zeichen

Heute mal nur ein kurzer Blogpost zur Nutzung von Messenger-Diensten.

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Ich finde es ja immer wieder spannend, wie unterschiedlich die Nutzung verschiedener Messenger-Dienste in verschiedenen a) Altersgruppen und b) Ländern ist. Ich probier‘ ja selbst viel aus. Aber ich gehör' dann doch noch zur Generation SMS. Ich schreib sie gerne. Habe wie bei Twitter eine schöne Zeichenbeschränkung. Dann muss ich mich wenigstens kurz halten. Plauder ja sehr gern. Und auch sehr viel. Ich nutz ja aber auch Skype sehr gerne. Und auch Facebook natürlich zum Austausch kurzer Nachrichten (in dem Fall den Privatnachrichtendienst in der Webapp und nicht den Messenger – den hab ich nämlich nicht installiert). Am liebsten aber Twitter – sowohl klassische Tweets als auch Direktnachrichten, die ja mittlerweile eine Zeichenbeschränkungsbefreiung erlebt haben. Das find ich spannend, wenngleich es noch ein bisschen verstörend für mich ist. Ich schau immer noch so ein wenig panisch auf die Zeichenbeschränkung, die ja jetzt nicht mehr da ist. Vielleicht mag ich Twitter deswegen am liebsten; weil ich zur Generation 140 Zeichen gehöre. Und da auch bleibe. So wie bei den SMS eben. Und irgendwie ist es ja eine Kunst, in 140 Zeichen alles zu sagen (Lektüreempfehlung zum Thema: Prof. Dr. Twitter-Muffel in der Süddeutschen Zeitung). [Zum Labern gibt's ja den Blog ;-)]
  • Wenn ich mir da aber so die aktuellen Umfrageergebnisse ansehe, dann verorte ich mich irgendwie kaum mehr oder nur teilweise in den Ergebnissen. Der Standard hat für dazu heute geschrieben: 76% einer befragten Gruppe von 501 Internet-Nutzerinnen und –Nutzern zwischen 15 und 69 Jahren nutzen WhatsApp, 46% den Facebook-Messenger und nur 16% SMS.
  • Im französischen Fernsehmagazin Télé-loisirs.fr wird eine Umfrage aus den USA aus dem Dezember 2014 kommentiert, Snapchat liegt bei den 18- bis 24-Jährigen mit 45% klar in Führung vor Vine und Tumblr (beide 28%). Bei den 25- bis 34-Jährigen teilen sich die Spitze Snapchat, Instagram und Pinterest ex aequo mit 26%, jeweils aber nur einen Prozentpunkt für Tumblr und Google+. Bei den 35- bis 44-Jährigen sind Google+ und LinkedIn mit 22% in Führung, einen Prozentpunkt vor Twitter und Pinterest. Jedenfalls liegt ab hier dann keine Anwendung mehr klar in Führung.
  • Wenn man hier noch die JIM-Studie (S. 26) mit heranzieht, die zeigt, dass bei den zwölf- bis 19-Jährigen in Hinblick auf die Nutzung des Internets die Kommunikation mit 44% klar vor dem Bereich Unterhaltung, also Videos, Bildern und Musik z.B., mit 25% liegt, dann deckt das doch.
Es ist sicherlich spannend, sich hier die Einzelergebnisse anzusehen und eine Interpretation zu wagen. Und einige erste Gedanken schießen mir durch den Kopf, die für mich plausible Erklärungen finden. Der Selfie-Wahnsinn und berufliche Argumente sind genauso dabei wie die Visualisierungssucht, die derzeit herrscht. [Beispiel: Wer hätte vor Jahren daran gedacht, beim Poltern zu fotografieren und die Fotos dann in sozialen Netzwerken zu teilen?]

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Und darin zeigt sich auch das große Potential der Social Media-Anwendungen im positiven wie im negativen Sinn. Heute wird alles dokumentiert. Die Meinung wird öffentlich geschrieben, nicht bloß im Privaten kundgetan. Und das nimmt dann mitunter erschreckende Formen an, wie auch Armin Wolf (@arminwolf) in einem Facebook-Posting Warum die Sicherheit nicht wiederkommt darlegt (man achte vor allem auch auf die Kommentare!). Wird die Hemmschwelle niedriger? Werden die Trolle mehr oder sind sie lauter als früher? Ich kann das nicht wirklich beurteilen. Ich habe keinen Vergleich. Sie haben aber jedenfalls eine andere Bühne. Eine viel öffentlichere als früher der Wirtshausstammtisch. Und eine nachhaltigere. Denn was einmal im Netz ist, das bleibt dort auch. Und niemand sollte wegsehen!

[PS: Einige Beispiele gibt es ja aktuell bereits, in denen Mitarbeiter/innen oder auch Lehrlinge aufgrund von Postings in Social Networks ihren Job verloren. Die Salzburger Nachrichten, Der Standard oder auch die Kleine Zeitung berichteten.]

[PPS: Interessant zum Thema das Video: Hass im Netz vom deutschen Fernsehsender Das Erste.]

Mittwoch, 19. August 2015

Blogstöckchen gefangen und weitergeworfen

Jeden Dienstag findet ja bekanntlich der #EDchatDE statt. Da gibt es dann ein Thema. Jede Woche ein anderes. Und es gibt Fragen, auf die man sich vorbereiten kann – aber nicht muss. Und manchmal gibt es da auch Blogparaden zur Vorbereitung oder Nachbereitung. Oder eben Blogstöckchen. Und ein solches hat mich aus Lübeck erreicht. Nächsten Dienstag moderieren Anja Lorenz (@anjalorenz) und Andreas Wittke (@onlinebynature) den #EDchatDE. Das Thema Ist Geiz geil? – Kostenloskultur in der Bildung.

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Nun will ich das Blogstöckchen aufheben und werde die mitgeworfene Aufgabe auch gleich erfüllen. Das ist irgendwie so wie beim Eurovision Song Contest: Hier also die Grazer Antworten. ;-)

Was waren die letzten 3 Bildungsressourcen (Materialien, Bücher, Kurse, Workshops, Konferenzen, Devices/Hardware…), die Du kostenlos bekommen und verwendet hast?


Die Frage ist ja doch wohl irgendwie gemein. Erst gestern war #EDchatDE und da sind Sturmfluten an Materialien und Ideen hereingekommen. Ich bin da aber erst am Sortieren und werde da auch wieder einen Blogpost schreiben [das Blogstöckchen kam dazwischen ;-)]. Gleiches gilt für die einzelnen Social-Media-Kanäle, auf denen ich mich herumtreibe [siehe Mein Social Media-Ich]. Da gibt es immer wieder Materialien, die ich sehe und so es erlaubt ist, in der eigenen Lehre einsetze. Und dann habe ich auch noch ein Buch geschenkt bekommen. Ich verrate aber den Titel noch nicht, denn auch dazu werde ich noch bloggen. So als kleine Sommer-Rezension. Und auch als Lektüreempfehlung, denn das Buch war echt gut. Und mein lieber Kollege Tobias Raue (@TobiRaue) hat mir Materialien zum Erstellen ansprechender, umwerfender PowerPoint-Präsentationen für meine Lehre zur Verfügung gestellt. Sie stehen unter einer CC-Lizenz, ich darf sie verwenden. Und sie sind sehr inspirierend. Prinzipiell aber ist dieser Beitrag in meinem Blog zu lesen. Auf Blogger. Damit bin ich auch in der kostenlos zur Verfügung gestellten Anwendungswolke von Google gelandet. Wobei sie ja eigentlich nicht so ganz kostenlos ist, im strengen Sinne halt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und was waren die letzten 3 Bildungsressourcen, für die Du (oder Dein/e Arbeitgeber/in) Geld ausgegeben hast?


Ich hab mir vor dem Urlaub einige Bücher gekauft und auch ausgelesen. Das mach ich irgendwie ohnehin ständig. Ob E-Book oder gedrucktes Buch, ich lese meist an zwei bis drei Sachen gleichzeitig. Dann waren da auch so einige Tagungsbesuche, aus denen ich sehr viel mit auf den Weg nehme und die zumindest die Dienstreisen kosten (wenn schon keine Tagungsgebühr anfällt). Und ja, dann nehme ich auch regelmäßig an Fortbildungen teil, die ebenso kostenpflichtig sind. Sie einzeln zu nennen, wäre hier aber wohl ein wenig langweilig.

Betrachte diese 6 Punkte und überlege, ob es für Dich einen Unterschied macht, ob Du für etwas im Bildungsbereich Geld investiert hast oder nicht.


Nein, für mich macht es eigentlich keinen Unterschied. Ich bin gerade bereit, für Wert- und Sinnvolles zu zahlen. Ich bin nicht bereit für Überholtes, Fades und Schlecht-Gemachtes zu bezahlen. Das ist eigentlich schon die ganze Wahrheit. Ich nutze unterschiedliche Anwendungen, teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig, nebeneinander. Ich mag die Auswahl, mag mich nicht beschränken lassen [ok, manchmal muss man sich beschränken, aber im Grunde eigentlich nicht]. Ich suche dabei immer nach den für eine bestimmte Situation, ein Lern-, Lehr- oder Arbeitssetting, geeigneten Anwendungen und auch nach kostenfreien Alternativen. Klar, wenn es zwei Anwendungen gibt, die das Gleiche können, von der die eine kostenlos ist und die andere kostenpflichtig, dann entscheide ich mich schon für die kostenfreie Variante. Lege dabei auch keinen besonderen Wert auf große Namen oder Marken.

Wann gibst Du für etwas Geld aus? Wann sind für Dich kostenlose Bildungsressourcen die bessere Lösung?


Das hab ich grad oben schon dargelegt. Ich bin bereit für Dinge zu bezahlen, die für mich wert- und sinnvoll sind. Dabei entscheide ich subjektiv. Und manchmal zahle ich auch für Innovatives, wenn ich es für Wert befinde. Ich bin aber nicht bereit, für Dinge, die es auch kostenlos gibt, zu zahlen, nur weil sie von einer bestimmten Marke oder Firma kommen. Kostenlose Bildungsressourcen sind somit eine Lösung, wobei immer die Alternativen abzuwiegen sind. Das ist wie bei anderen Dingen im Leben auch. Ich halte das auch so, wenn ich Kleidung shoppe, oder Schuhe. Oder Handtaschen. Oder Möbel. Es muss auch nicht immer der Rolls Royce sein, es kann auch mal der Mini sein. Oder der Golf. Die Entscheidung für das eine oder das andere ist sehr subjektiv. Und meistens wäge ich vorher ab. [Meistens, denn manchmal kaufe ich auch spontan. Und oftmals bereue ich dann ebenso spontan.]

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Hast Du selbst schon OER oder kostenpflichtige Lerninhalte ins Netz gestellt?


Ich mache meine Materialien meist selbst. Also eigentlich sehr oft. Und fast immer. Ich bin hier jedenfalls auf der OER-Schiene daheim. Ich versuche, alle meine Materialien unter CC zu stellen. Mein Blog, meine Webinar-Unterlagen, meine Präsentationen. Auch viele Artikel, die ich schreibe, sind kostenfrei unter CC zu bekommen, so auch MOOCs as granular systems: design patterns to foster participant activity. So wie das Moodle-Praxisbuch Am Anfang steht der leere Kurs, das ich geschrieben hab. Oder den E-Book-Leitfaden Interaktive E-Books - technische und didaktische Empfehlungen, den ich gemeinsam mit Michael Raunig schreiben durfte. Er ist im EPUB-Format und unter CC erschienen. Oder die Kurse auf iMooX, die alle unter einer CC-Lizenz stehen. Auch da habe ich aktiv mitgemacht. Mein Keks-Blog, meine Rezept-Blog und mein Mediendidaktik-Blog sind alle unter CC. Die Präsentationen auf Slideshare poste ich zwar unter dem Account der Akademie für Neue Medien und Wissenstransfer, aber auch diese sind unter CC. Mein MOOC-Handlungsleitfaden How to MOOC? steht auf dem Open Access-Server der Universität Graz zur freien Verfügung – ebenfalls unter CC. Es war für mich eine große Ehre am Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T), herausgegeben von Martin Ebner und Sandra Schön, mitzuschreiben. Steht ja auch unter CC. Und gemeinsam mit meinen Studierenden des Fachdidaktik-Proseminars aus dem Sommersemester 2015 arbeite ich gerade an einem E-Book von Lehrenden für Lehrende zum Thema Social Media & OER. Natürlich als OER.

Und das sind jetzt mal die Dinge, die mir so auf die Schnelle eingefallen sind. Noch Fragen? ;-)

Bleibt noch das Stöckchen wieder weiterzuwerfen. Nicht apportieren. Nur weiterwerfen. Ich nominiere also:

  • Sandra Schön (@sandra_schoen), weil sie für mich eine Vorreiterin im Bereich OER ist;
  • Timo van Treeck (@timovt), weil ich mit ihm bei L3T zusammenarbeiten durfte und wir uns immer wieder mal über Lizenzierungen unterhalten;
  • Jörg Pareigis (@joergelp), weil mich die schwedische Perspektive interessieren würde.