Donnerstag, 11. Januar 2018

Meine Filterblase funktioniert

Gerade erst über Filterblase und über Open Educational Resources geschrieben und schon wieder drängt sich ein Blogbeitrag auf, wenn auch ein kurzer.

Quelle: Pixabay (CC0)

Am Montag hat Michael Lanzinger, seines Zeichens Rechtsanwalt und spezialisiert auf digitale Medien, digitale Bildung und Open Educational Resources, für die Virtuelle Pädagogische Hochschule eine eLecture zum Thema Urheberrecht für Lehrende gehalten (hinter dem Link versteckt sich auch die Aufzeichnung). Da musste ich dabei sein. Das versteht sich. Hier meine fünf Learnings knapp zusammengefasst.
  • Creative Commons-Lizenzen sind für die Online-Nutzung konzipiert worden, was man beispielsweise am Problem der Attribuierung im 3D-Druck merkt. 
  • Ein bloßer Mouse-over reicht zur Attribuierung nicht aus. Die Attribuierung muss sichtbar erfolgen.
  • Die Unterscheidung von Schulbuch bzw. Lehrbuch zu „normalem“ Buch ist nicht so einfach. Michael Lanzinger hat hierzu aber auch einen eigenen Artikel geschrieben (EPUB des Buches zum Download).
  • Das Verlinken auf die Originalquelle ist immer erlaubt, problematisch (da verboten) ist das Herunterladen und erneute Hochladen (und somit die Zurverfügungstellung) von Inhalten. Hierzu gibt es auch einen Artikel in Hinblick auf Embedding und Framing, was auch das Zeigen von YouTube-Videos im Unterricht einschließt.
  • Wenn ich Creative Commons-Inhalte attribuiere, reicht es nicht, den Licence Deed (also die Kurversion der Lizenz) zu verlinken, sondern ich muss jeweils den Legal Code (also die Langversion der Lizenz) verlinken.
Und weil mir immer wieder Beiträge zum und rund um das Thema in die Timelines der unterschiedlichen Social Media Netzwerke gespielt werden, hier noch vier mE wertvolle Links:
  • Kristina (@fraudromedar), die Frau mit dem Dromedar arbeitet gerade gerne mit Adobe Spark und ThingLink und braucht dafür Ressourcen, die sie auch verwenden darf. Kurzerhand hat sie dazu unter Lizenzfreie Bilder finden – Pad-agogisch wertvoll Vol. 13 gebloggt.
  • Wer kennt es nicht? Man findet auf Wikimedia ein Bild, das einem gefällt und man möchte voll motiviert die Attribuierung richtig machen. Man sucht die Teile zusammen, man schaut und überprüft und hofft, es richtig zu machen. Diese Arbeit nimmt einem der Lizenzhinweisgenerator ab. Ein tolles kleines Werkzeug. Danke Ines Bieler (@seni_bl) für diesen Hinweis.
  • Die Webseite Educational Technology and Mobile Learning gibt ja immer wieder gute Überblicksbeiträge mit Ressourcensammlungen heraus. Anfang 2018 haben sie eine Seite zu 9 Great Websites for Free Images to Use in Class and School Projects gepostet. Ich habe mir die einzelnen Seiten nicht in Bezug auf die Lizenzen angesehen, aber die meisten davon sind ohnehin bekannt und tauchen immer wieder auf. Aber eben nur die meisten…
  • Das Bundesministerium für Bildung (BMB) hat eine Webseite (entwickelt von KnowledgeFox) veröffentlicht, auf der man sich über Urheberrecht & freie Lizenzen für Lehrkräfte nicht nur informieren kann, sondern in Mikroeinheiten lernen kann. Drei Kurse stehen nach einer kostenfreien Registrierung zur Verfügung, wobei mit 0 zu zählen begonnen wird. Kurs 2 beschäftigt sich mit Open Educational Resources, freie[n] Lizenzen & [der] schulische[n] Praxis und besteht aus 25 Karten. Als Einstieg sind die Lerneinheiten wahrscheinlich zu schwierig, aber wenn man schon eine gewisse Basis hat, so sind sie nicht ganz unspannend, um Mythen und Irrglauben aufzudecken oder aber das eigene Wissen zu bestätigen. Danke Thomas Nárosy (@thomasnarosy) für den Hinweis.
Mit den Mikroeinheiten beim Lernen liegt dieses Weiterbildungsangebot jedenfalls voll im Trend, glaubt man der Filterblase:
Ich brauche zum Lernen jeweils einen Wechsel aus längeren und kürzeren Einheiten, aus schnelleren und langsameren Teilen. So wie es in der Musik ja schon seit jeher Tradition hat...

Mittwoch, 10. Januar 2018

Raus aus der Filterblase

Digital affine, social-media-begeisterte Menschen neigen dazu, sich eine Filterblase aufzubauen und diese auch auszuweiten. Man folgt jenen Menschen, die Dinge schreiben, die für einen selbst interessant sind, man abonniert Zeitschriften, man tritt den entsprechenden Gruppen bei. Nicht, dass es früher nicht auch so war, als man nur eine Tageszeitung hatte und das öffentliche Fernsehen aus zwei Sendern bestand. Ein Informationsmonopol war früher auch schon vorhanden, zumindest in Österreich. Heute kreiere ich mir diese Filterblase aber selbst. Ich muss schließlich in der Informationsflut irgendwie zurechtkommen, oder nicht?

Quelle: Pixabay (CC0)

Nun, ich halte es ein wenig anders und habe bewusst Kanäle und Personen abonniert, die meiner Meinung und meinen Ansichten diametral entgegenstehen. Weil sie mich zum Nachdenken bringen, mich meine eigene Position hinterfragen und in Frage stellen lassen und weil sie neue Perspektiven mit sich bringen. Man kann schließlich auch ex negativo lernen. Das predige ich und lebe es folglich auch.

Das ist auch der Grund, warum ich Manfred Spitzer (Digitale Demenz, Lernen: Gehirnforschung und die Schule des Lebens und Dopamin und Käsekuchen: Hirnforschung à la carte sowie Vorsicht Bildschirm!: Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft) zumindest an-, einiges auch fertig gelesen und auch live gehört habe. Und das ist auch der Grund, warum ich mir gestern Konrad Paul Liessmann an der Universität Graz angehört habe. Ich habe seine Theorie der Unbildung gelesen. Ich habe in den Weihnachtsferien Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? gelesen und finde den Wechsel mit Michael Köhlmeier großartig. Bildung als Provokation habe ich nur angelesen und dann weggelegt. Nicht, dass es sich bei beiden, Spitzer und Liessmann, nicht um kluge Menschen handelt, aber ihre Entweder-Oder-Verteufelungsposition ist so überhaupt nicht meine.

Ja, aber...


Es bedurfte nur weniger Momente, bis Liessmann die Digitalisierung per se verteufelte und zu einem Rundumschlag gegen DAS Digitale in der Bildung ausholte. Ganz philosophisch zeigte er auf, woran es im Bildungssystem scheitert, ohne Lösungen zu liefern. Dialektisch lieferte er Thesen und Antithesen, die Synthese aber blieb aus. Der Begriff der „Bildung“ und ihre Komposita wurden als leere Worthülsen entlarvt, mit denen gerade stark gearbeitet, über die diskutiert und mit denen Geld verdient wird – Moment, wie heißt Liessmanns Buch noch gleich? – Beispiele und Anekdoten unterfütterten seine Gedanken. Alles in allem sehr amüsant anzuhören, vor allem aber traf er den Geschmack des Publikums.

400 Millionen Euro für die Ausstattung mit Tablets an Österreichs Schulen sind da, aber die 50 Millionen für Stützlehrer/innen für Schüler/innen mit Migrationshintergrund und sprachlichen Defiziten nicht. Allgemeines Kopfnicken und Applaus. Es gibt keine einzige Studie, die untermauert, dass digitale Medien beim Lernen helfen. Ganz im Gegenteil. Allgemeines Kopfnicken und Applaus. Das Faktenwissen wird aus den Lehrplänen verdammt. Lehrer/innen dürfen keine Fakten mehr abprüfen, sie dürfen nur mehr kompetenzorientiert unterrichten. Und das in einer Zeit, in der mit dem Aufkommen der Alternative Facts gerade großer Wert auf die Fakten gelegt werden sollte. Allgemeines Kopfnicken und Applaus.

Und ja, er hat ja nicht Unrecht. Konrad Paul Liessmann gilt als Provokateur. Er regt zum Nachdenken an, mich zumindest. Ich hätte gerne auf seine Aussagen mit „Ja, aber…“ geantwortet. Die Aussagen sind pauschal und undifferenziert, es gibt nur Schwarz und Weiß. Dazwischen ist nichts zu finden. Aber klar, er möchte ja, so wie Manfred Spitzer auch, seine Bücher verkaufen. Und wir brauchen ja auch Menschen, die Thesen aufstellen, die von anderen dann überprüft und dann angenommen, angepasst oder gänzlich verworfen werden. Beide schaffen es jedenfalls, dass über Bildung gesprochen wird. Und dass sich Sigrid Hartong in der anschließenden Diskussion, die wenig diskursiven denn eher monologischen Charakter hatte, zur Aussage hinreißen ließ, dass auch der Kompetenzbegriff eine leere Hülse sei (die Originalaussage war viel drastischer, ich habe hier objektiviert). 

Bildung ist nicht gleich Ausbildung


Was wir nun aber wirklich brauchen, ist eine differenzierte Diskussion über Bildung und vor allem eine Abgrenzung zur Ausbildung und zum Fort- und Weiterbilden im Sinne des Lifelong Learnings, weil diese drei Aspekte nicht getrennt wurden. Als Beispiel wurde der Mediziner (ja, gendersensibel war der Abend nun wahrlich nicht) genannt, von dem wir uns erwarten, dass er Fachwissen hat, wenn er uns operiert. Ja, aber das ist seine Ausbildung und nicht seine Bildung, hätte ich gerne geantwortet. Man erwarte ja auch, dass er sich ständig informiert und immer am neusten Stand ist. Ja, aber das ist die Fort- und Weiterbildung als Anschluss an die Ausbildung und hat mit Bildung per se auch wenig zu tun. In der Allgemeinsprache verschwimmen diese Begriffe zunehmend, was sehr schade ist.

Korrelation ist nicht gleich Kausalität


Was auch verschwimmt, was ebenso schade ist, ist der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Schüler/innen lernen schlechter, weil sie digitale Medien nützen (müssen). Lehrer/innen unterrichten keine Fakten mehr, weil sie sich auf Kompetenzen konzentrieren (müssen). Eine hohe Korrelation bedingt keine Kausalität, auch wenn etwas „logisch“ erscheint auf den ersten Blick. 

Also?


Öffnet eure Filterblase, lasst kritische Positionen zu, lest Spitzer, Liessmann, DrägerLembke und wie sie alle heißen. Lest sie aber alle, sowohl den einen als auch den anderen. Sonst entsteht eine Entweder-Oder-Position und ihr seid in einer Filterblase gefangen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre vierer von fünf Blogbeiträgen, 
Ich finde die Blog aller drei sind differenziert, nehmen unterschiedliche Perspektiven und Positionen ein und bieten somit einen Mehrwert (der Begriff musste fallen ;-) – danke Axel und Gerhard für die dazupassenden Beiträge).

Freitag, 5. Januar 2018

Erinnerungen an mein Unterrichtspraktikum #refisbelike #upi

Bob Blume ruft zur Blogparade #refisbelike auf. Und obwohl ich nicht zu 100% in die Zielgruppe passe, möchte ich dennoch einen Beitrag dazu liefern. Warum ich nicht ganz in die Zielgruppe passe? Nun, ich habe kein Referendariat gemacht, sondern das in Österreich übliche Unterrichtspraktikum, liebevoll Probejahr genannt. Wikipedia erklärt den Unterschied knapp.

Und auch wenn das Unterrichtspraktikum mit all seinen Begleiterscheinungen manchmal unangenehm sein kann und zu meiner Zeit auch noch ein wenig redundant in den Ausbildungsinhalten (gleiche Inhalte in der pädagogischen Ausbildung an der Universität wie begleitend während des Probejahres) war, so gibt es dennoch weit weniger Horrorgeschichten als in Deutschland. Oder wir waren damals einfach schlechter vernetzt. Klar, abschreckende Beispiele gab es damals auch, aber retrospektiv war alles gar nicht so schlimm.

Ich habe mein Probejahr 2008/09 am BG/BRG/MG Dreihackengasse abgeleistet. Die Schule und auch die meisten Lehrenden habe ich gut gekannt, da ich selbst in dieser Schule maturiert habe und nach wie vor an die Qualität der Schule glaube. Für mich gab es also keine zweite Wahl und ich war sehr froh, dass ich so zugeteilt wurde. Mit meiner Fächerkombination Französisch/Italienisch bin ich eben auch ein wenig eingeschränkt.

Quelle: Pixabay (CC0)

Jedenfalls möchte ich mehrere Dinge teilen, darunter meine beiden „Lehrproben“, mein liebstes Hoppala und mein wichtigstes Learning.

Ich hatte vierte Klasse (8. Schulstufe) in Französisch und eine sechste Klasse aus dem Musikgymnasium (10. Schulstufe) in Italienisch und so richtig Glück mit den beiden Klassen. Gespickt mit interessanten Persönlichkeiten waren beide Klassen gleichsam herausfordernd und absolut liebenswert. Und auch meine beiden Mentorinnen (Betreuungslehrerinnen) waren echte Goldschätze, die mich von Anfang an absolut frei agieren ließen. Ich durfte selbst entscheiden, wurde bei allem unterstützt und beide hatten immer ein offenes Ohr für mich. Das Paradies für eine Upi (so werden die Unterrichtspraktikanten liebevoll genannt).

Meine „Lehrprobe“ in Französisch

Wie auch in Deutschland gibt es in Österreich Lehrproben. Betreuungslehrer/in und Direktor/in besuchen den Unterricht – meist angekündigt. Bei mir war es in Französisch eher unangekündigt. Und meine „Kleinen“ (so nannte ich die vierte Klasse liebevoll) konnte manchmal doch sehr lebhaft sein. An diesem Tag aber – und es war noch dazu eine Stunde knapp vor einer Schularbeit – waren sie mustergültig. Ich weiß noch, dass wir viel Grammatik wiederholt haben, auch viel Wortschatzarbeit gemacht und am Ende durften sie eine Geschichte als Comic darstellen. Ich sah in der Vorbereitung Stifte fliegen und hörte laute Diskussionen. Aber nix da. Sie saßen „brav“ da, zeigten auf, der Blick nach vorne zur Tafel. Ich traute meinen Augen nicht – ein seltsames Gefühl, wenn eine lebhafte Klasse plötzlich so unlebhaft ist. Naja, die Direktorin verließ die Stunde ein wenig vor dem Läuten. Durchatmen in der Klasse. Eine Hand nach oben. „Frau Professor, nächste Stunde sind wir aber wieder normal.“ Mein verdutzter Blick muss Bände gesprochen haben. „Naja, wir wollten heute besonders brav sein, weil Sie ja beobachtet wurden.“ Ich muss heute noch lächeln, wenn ich an die Stunde denke.

PS: Das war auch die Klasse, die aus Protest, weil sie an einem steiermarkweiten Streik nicht mitmachen durfte, eine Stunde am Boden sitzend verbrachte. Keine Hefte, keine Stifte, kein Blick auf die Tafel. Alle versammelt protestierend am Boden mit einem Hang zur Diskussion. Die Stunde stand damals unter dem Thema „faire la grève“ und es war eine der authentischsten Stunde überhaupt.

Meine „Lehrprobe“ in Italienisch

Meine Lehrprobe Italienisch war angekündigt. Ich weiß nicht mehr genau, was wir damals inhaltlich gemacht haben, ich erinnere mich nur an einen kleinen Moment. Der Horror für viele Sprachlehrende ist jener, wenn man nach einem Wort gefragt wird, für das man keine Übersetzung parat hat. Heute würde ich meinen Schülerinnen und Schülern einfach sagen: Schnappt euch das Smartphone und googelt. Damals war ich weniger Schlagfertig. Ich weiß ehrlich nicht mehr, was wir inhaltlich an diesem Tag gemacht haben, aber plötzlich die Frage: „Wie nennt man auf Italienisch das Wagerl, mit dem Grubenarbeiter in die Grube fahren?“ Heute weiß ich, dass es sich – auf Deutsch – um einen Hunt handelt. Auf Italienisch spricht man von Vagonetto Decauville. Ich denke, ich werde das Wort nie vergessen. Wir haben uns damals auf eine Umschreibung geeinigt – dank Aushilfe meiner Mentorin. Der Moment war auch nur kurz unangenehm, weil wir uns alle angeschaut haben: a) Wie kommt man auf so ein Wort? b) Ich kenne das Wort nicht mal im Deutschen. c) Das ist jetzt echt authentisch – also los, finden wir eine pragmatische Lösung – also Umschreibung. Außerdem kam aus der letzten Reihe ein äußerst liebevolles "Bist alt genug. Schau halt im Wörterbuch nach. Die Frau Professor ist kein Wörterbuch." Heute würde ich Google fragen (lassen).

Mein Hoppala

Mit zwei Sprachen als Schulfächern habe ich genau das studiert, was mich interessiert und wofür ich lebe. Dass es dabei zu Verwechslungen, Fauxamis und lustigen Situationen kommen kann, war mir klar. Dass es in der ersten Stunde passiert, war dann doch lustig. Erste Stunde Französisch: Wir stellen uns vor. Was ist eure Lieblingsfarbe? Was ist euer Lieblingstier? Was esst ihr am liebsten? Die Schüler/innen waren eifrig bei der Sache. „Frau Professor, was heißt bitte ‚Schildkröte‘ auf Französisch?“. Ich schreibe das Wort an die Tafel. Am Ende der Stunde sammle ich die kurzen Steckbriefe ab und beginne zu korrigieren. Irgendwann werde ich stutzig. Vielleicht kennen das auch andere, aber wenn man mehrfach eine falsche Lösung gelesen hat, stellt man sich selbst in Frage und überprüft die eigene, richtige Lösung, weil sie ja falsch sein könnte. Ich jedenfalls hatte mehrfach „la tartarugue“ gelesen. Eine klassische Französierung des italienischen Worts „la tartaruga“ für das französische Wort „la tortue“. Passiert mit immer wieder. Und ist immer wieder lustig…

Mein wichtigstes Learning

Wenn man mit dem Unterrichtspraktikum beginnt, wird man zunächst mit einer Rechtsschulung „gequält“, die super wichtig ist, aber – zumindest in meinem Jahrgang – eher mäßig in der Qualität war. Jedenfalls waren wir alle danach verwirrter als davor. Meine Mentorinnen haben die Verwirrtheit aber gut aufgelöst und mir die für mich wichtigste Botschaft mit auf den Weg gegeben, die ich auch meinen Studierenden mitgebe. Kurz zusammengefasst: Bleib authentisch und zieh dein Ding durch! Konkret ging es um die „richtige“ Art zu korrigieren und die Erkenntnis, dass es nicht „den richtigen“ Weg gibt, sondern mehrere Wege, die allesamt richtig sein können. Und dass es wichtig ist, seiner Linie treu zu bleiben und sich nicht zu verbiegen. Eine schöne Botschaft, wie ich finde.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Wir teilen (noch) nicht (ausreichend)

Neues Jahr, neuer Blogpost, altes Thema: Offenheit beim Unterrichten und offene Materialien für den Unterricht. Vielleicht bin ich nur sehr sensibel auf das Thema, vielleicht funktioniert einfach meine Filterblase sehr gut. Aber in den letzten Wochen sind einige sehr interessante Beiträge in meine Timeline gespült worden, die ich hier gerne kommentiert zur Verfügung stellen würde. Ich versuche auch, sie in passende Kategorien zu packen, damit man leichter damit arbeiten kann und die passenden Beiträge findet, wenn man danach sucht. Einen davon gleich vorweg – der Hinweis auf den Public Domain Day. Wenn der Urheberrechtsschutz ausläuft, in Österreich als 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers bzw. der Urheberin, gehen die Werke in die Public Domain über. Hier eine Übersicht auf Wikipedia über Urheber/innen, die 1947 verstorben sind.

Quelle: Pixabay (CC0)

OER in der Schule

Leonhard Dobusch (@leonidobusch) hat einen Blogbeitrag mit dem Titel Mögliche Wege zum Schulbuch als Open Educational Ressource in Österreich verfasst, in dem er sich mit Möglichkeiten beschäftigt, Schulbücher als OER anzubieten aber dennoch den Anbietermarkt beizubehalten. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist eine Studie, die Salzburg Research im Auftrag des Bundesministeriums durchgeführt hat. Es handelt sich dabei um Eine Machbarkeitsstudie zu OER-Schulbüchern in Österreich, die auch auf der Seite des Ministeriums heruntergeladen werden kann und selbst CC lizenziert ist. Interessant sind dabei nicht nur die Überlegungen Dobuschs bzw. die Ergebnisse der Studie selbst, sondern auch der Hinweis auf der Seite des Ministeriums, dass als „offene“ Lizenzen CC BY, CC BY-SA und CC0 zu sehen sind. Dieser Hinweis wird auch beim Generieren der Attribuierung auf der Creative Commons Seite immer geliefert, gehört aber mE viel tiefer im Bewusstsein der Nutzer/innen verankert.

[Ergänzung] Zum Thema Schulbücher möchte ich auch auf den Artikel "Open Textbooks" verweisen, der die Notwendigkeit der Offenheit von Schulbüchern betont. Offene Schulbücher können individuell zusammengestellt und somit auch an das Zielpublikum angepasst werden, in Hinblick auf Diversität und die Feststellung Verlage stimmen Texte zu wenig auf Schüler ab eine absolute Notwendigkeit.

OER erstellen

Ich bin ja seit geraumer Zeit ein Fan von Tutory. Nicht nur, weil man damit einfach und unkompliziert ansprechende Arbeitsmaterialien erstellen kann, sondern weil man auch gleich zur offenen Lizenzierung des Materials angehalten ist und dadurch a) ein großes Pool an Materialien (auch als Ideenspender) zur Verfügung hat und b) an seine eigenen Grenzen stößt, wenn man Einzelelemente eines Arbeitsblattes lizenzieren möchte, aber nicht weiß, welche Lizenz man wählen soll, weil das Material nicht lizenziert ist. Das klingt jetzt komplizierter als es ist. Tutory hilft beim Erstellen von Materialien und ich kann es jedem und jeder nur empfehlen. Klar gibt’s noch ein paar Kinderkrankheiten, aber das Team hinter Tutory (@tutoryde) arbeitet mit Nachdruck an der Behebung und reagiert auf Wünsche, Anregungen und Kritik.

Ein zweites interessantes Tool ist das OER Pad, dessen Inhalt, wenn nicht anders angegeben, automatisch unter CC0 steht. Dieses (Ether-)Pad ist, glaube ich, im Zuge der OER.de entstanden und ich finde die Idee einfach spannend.

Gerade beim Zusammenmixen unterschiedlicher Lizenzen muss man auf die Kompatibilität aufpassen. Eine Übersicht hilft dabei, die passenden Kombinationen herauszufinden.

[Ergänzung] Danke an Isabell Grundschober (@IsabellGru) für den Hinweis auf den Report Open by Default?, in dem es ebenfalls um Attribuierung und die Notwendigkeit geht, offenes Material zu verwenden (Stichwort: Wissenschaft vs. Lehre).

Wer sich nicht sicher ist, wie OER geht, kann sich Jöran Muuß-Merholz (@joeranDE) Buch Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen kaufen oder aber die Seite von iRights.info (@irightsinfo) studieren, beispielsweise Kombinieren, Bearbeiten, Remixen: OER richtig verwenden oder Neue Version: Leitfaden zu Rechtsfragen bei E-Learning und Lehre.

Für den Bereich der Hochschullehre möchte ich auf eine Publikation des Forum Neue Medien in der Lehre Austria (@fnm_at) verweisen. Es gab im abgelaufenen Jahr eine Arbeitsgruppe „Open Educational Resources“, deren Ergebnis ein Konzept zur OER-Zertifizierung an österreichischen Hochschulen ist. Dieses Konzept kann auf der Webseite von fnm-a heruntergeladen werden und steht unter CC BY.

Mythen rund um OER

OER sind nicht zwangsläufig gratis. Sie sind nicht zwangsläufig schwer zu erstellen. Sie sind nicht schlechter in der Qualität. Sie sind nicht Einzellösungen. OER sind nicht unfair, weil man dafür nichts bezahlt bekommt. OER sind nicht sinnlos, weil sie ohnehin/ eh nicht genutzt werden. OER sind nicht egal. Vor lauter Nicht-Meldungen klingt dieser Absatz relativ negativ, aber das sind Antworten, die ich immer wieder in meinen Workshops gebe. Rund um OER kreisen so viele Mythen und Irrglaube. iRights.info hat sich die Mühe gemacht, auf Drei Mythen über Open Educational Resources drei verbreitete Mythen zu busten.

Einen Rückblick auf 10 Jahre Cape Town Open Education Declaration inklusive interessanter weiterführender Beiträge und Postings gibt Jochen Robes (@jrobes) in seinem Blogbeitrag CPT+10: A Bright Future for Open Education und betont dabei vor allem, dass OER noch keine Selbstverständlichkeit sind. In den letzten Jahren ist zwar viel passiert, aber der Weg ist noch mindestens einmal so lang. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Autor auch in einem Blogbeitrag vom 3. November 2017: Mein Wochenausklang: Über einige Herausforderungen mit OER.

Quelle: Pixabay (CC0)


OER suchen und finden

Ein Argument, das ich immer wieder höre, wenn ich über die Vorteile von OER spreche, ist die langwierige Suche nach Materialien, die man auch verwenden darf. Abgesehen davon, dass ich eigentlich immer nur Materialien verwenden sollte, die ich verwenden darf, gibt es spezielle Suchmaschinen, die gezielt nach OER suchen. Creative Commons hat mittlerweile zwei Suchmaschinen herausgegeben, eine erste und eine zweite Version, wobei zweitere den besonderen Vorteil hat, dass sie auch die Attribuierung bereits richtig setzt und man sich keine Gedanken darüber machen muss, alle Informationen und Verlinkungen richtig zu setzen. Sie ist jedoch noch Beta und funktioniert nicht immer einwandfrei (d.h. es werden nicht immer alle Datenbanken durchsucht, weshalb es manchmal zu sehr eingeschränkten Ergebnissen kommt).

Eine weitere praktische Suchhilfe bietet das OERhörnchen (@OERhoernchen) an, mit dem nicht nur nach Materialien sondern auch nach OER-Projekten gesucht werden kann. Und wer lieber weiterhin googeln möchte, kann unter Erweiterte Suche ganz unten unter Nutzungsrechte die letzte Variante auswählen.


Bild- und Mediendatenbanken

Ich habe schon mehrfach Überblicksseiten gepostet, die freie Bilder oder freie Musik zur Verfügung stellen. Hier sind noch weitere:

  • Die Seite Legal Music For Videos wird von Creative Commons selbst gepflegt und reiht sich in eine ganze Serie von Übersichtsseiten des Vereins ein. Man kann dies auf der rechten Seite sehen.
  • Der Medienpädagogik Praxisblog hat unter Freie Musik eine lange Liste an Ressourcendatenbanken gesammelt (Ähnliches gibt es auch für Freie Fotos). Besonders vorteilhaft ist der Umstand, dass die einzelnen Quellen hier auch kommentiert sind und man sich gut zurecht findet.
  • 14 Websites To Find Free Creative Commons Music ist eine Seite von MakeUseOf, die ich sehr gerne konsultiere. Hier werden 14 Webseiten genannt, auf denen man Musik finden kann, die unter CC-Lizenz stehen. Auch Verlinkungen zu weiteren Beiträgen, u.a. zu Bilddatenbanken, sind auf der Webseite zu finden.
    • Musik unter CC0-Lizenz zu finden, ist schon recht schwierig. Aber auf Soundcloud findet man z.B. WOWA und auf Free Music Archive gibt es eine Suchfunktion speziell nach Public Domain, um nur zwei Quellen zu nennen.
  • Wenn man mit dem Gedanken spielt, offen lizenzierte Musik in Filmen oder Videos zu verwenden, muss einiges bedacht werden. iRights.info hat die wichtigsten Punkte unter Musik und Sounds für meinen Film kompakt zusammengefasst.

Montag, 11. Dezember 2017

Anerkannte ELCHin

Die Universität Graz, genauer gesagt die Akademie für Neue Medien und Wissenstransfer, verleiht jedes Jahr (und heuer zum letzten Mal) den ELCH, also den E-Learning Champion, an Lehrende, die sich um den Einsatz digitaler Medien in der Lehre bemühen. Heuer stand er unter dem Thema "Open Educational Resources" (OER) und ich wurde zur Einreichung nominiert. Mein Zugang zu OER ist hinlänglich bekannt. Und ich habe ja auch schon darüber getwittert: Ich habe mit meiner Lehrveranstaltung über und mit OER den Anerkennungspreis 2017 gewonnen.

Quelle: Pixabay (CC0)

Ich möchte nun auch die Einreichung teilen - und noch viel mehr die Laudatio, für die ich Leonhard Dobusch (@leonidobusch) von der Universität Innsbruck herzlich danke. Ich freue mich über seine Außensicht auf mich. Es ist spannend das Selbst- und das Fremdbild abgleichen zu können. Und es ist Balsam auf der Seele, dass ich das Bild vermittle, das ich für mich auch tatsächlich ausgesucht habe. Ich danke aber auch Roland, der mir die Laudatio geschnitten hat und noch einmal Leonhard Dobusch, der mir erlaubt hat, sie auf meinem Blog zu veröffentlichen.



Hier meine Einreichung (ich habe lediglich den Zugang zu den die Lehrveranstaltung begleitenden Kursen geschlossen bzw. gelöscht).

Allgemeine Beschreibung


Das am Ende des Studiums romanistischer Sprachen angesiedelte allgemeine fachdidaktische Proseminar „Zeitgemäßer Fremdsprachenunterricht zwischen Open Educational Resources und offenen Methoden“ setzt sich vor dem Hintergrund des digi.kompP-Modells mit der Offenheit („Openness“) von Unterrichtsressourcen („Open Educational Resources“) und Unterrichtsmethoden („Open Educational Practices“) auseinander (vgl. Ehlers 2011). Dabei soll gezeigt werden, dass Offenheit nicht mit Angriff oder Fehlersuche gleichzusetzen ist, sondern vielmehr Möglichkeiten der Vernetzung (Stichwort: Connectivism) (vgl. Siemens 2005) sowie einer kritischen Feedback-Kultur zur eigenen Weiterentwicklung meint. Retain, Reuse, Remix, Revise und Redistribute (die 5R) als die von David Wiley (2014) definierten 5R von Open Content, in der deutschen Übersetzung von Jöran Muuß-Merholz (2015), Verwahren/ Vervielfältigen, Verwenden, Verarbeiten, Vermischen und Verbreiten genannt, sehen das Teilen von Educational Resources als eine Basis an und definieren gleichzeitig die 5 Freiheiten offener Materialien. Den (zukünftigen) Lehrenden soll gezeigt werden, welche Vorteile es hat, die Community als Qualitätskontrolle und Quelle gleichzeitig zu haben; ihnen soll dabei vor allem die Angst vor dem Fehler genommen werden. Auch in Schulbüchern sind Fehler, auch nach dem zehnten Korrekturleseprozess können noch Fehler vorhanden sein. Die Community hat frische Augen und kreative Ideen. Sie kann meine eigenen Materialien adaptieren, ergänzen, korrigieren und somit auch mir als Lehrperson wieder neue Ideen bringen. Kollaborativ und kreativ können somit individuell angepasste Unterrichtsmaterialien und -sequenzen entstehen.

Diese offene Einstellung sollte Lehramtsstudierenden von Beginn an nicht nur vermittelt, sondern vorgelebt werden. Neben dem digi.kompP-Modell (vgl. Brandhofer et al. 2016) wird auch das Modell der 4C, der sog. 21st century skills, gemeint sind Creativity and Innovation, Critical Thinking and Problem Solving sowie Communication und Collaboration, (vgl. NEA 2016) herangezogen. Die in der Lehrveranstaltung verwendeten Ressourcen sind nach Möglichkeit offen lizenziert, die von der Lehrveranstaltungsleiterin selbst erstellten Materialien (Arbeitsblätter, Blogbeiträge u.Ä.) sind es jedenfalls.

Diese allgemeine Forderung nach Offenheit geht auch mit einem Lehrplanbezug und Blick auf das Klassenzimmer einher: In einer medial pluralistischen Welt mit heterogenen Klassenstrukturen sind Lehrende schon lange nicht mehr nur fachlich wichtig, sondern übernehmen zahlreiche zusätzliche Funktionen. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass im Lehrplan (nicht nur für erste und zweite lebende Fremdsprache) die Verwendung aktueller und vor allem authentischer Unterrichtsmaterialien als Forderungen verankert ist (vgl. BMB 2004a,b) und man weiß, wie a) einschränkend das in Kontinentaleuropa geltende Urheberrecht und b) wie lange der Approbationsprozess für Schulbücher und Unterrichtsmaterialien dauert, müssen handhabbare, effiziente und sichere Auswege gefunden werden. Open Educational Resources und Open Educational Practices können dies leisten.

Ziel des Proseminars ist es, dass die Studierenden nicht nur ein fundiertes Hintergrundwissen zum Thema Openness sondern vor allem offen lizenzierte Unterrichtsmaterialien und eine Ahnung davon, wo man diese (im Sinne eines Lifelong Learning-Ansatzes) findet, mitnehmen. Die Lehrveranstaltung wird folglich im Blended Learning-Format gehalten, die Teilnehmer/innen besuchen als Online-Einheiten Webinare und MOOCs, die für sie im Sinne des Lifelongs Learnings und als potentielle Quelle für Unterrichtsmaterialien und Methoden wichtig sein können (konkret am Landesinstitut für Pädagogik und Medien Saarland, an der Virtuellen Pädagogischen Hochschule und auf iMooX).

Die im Proseminar erstellten Unterrichtsbausteine und Unterrichtsressourcen sollen in ihrem Charakter offen sein und werden in offener Form veröffentlicht, um der Lehrer/innen-Community im deutschsprachigen Raum zur Verfügung zu stehen. Dieser Ansatz entspricht dem von Christian Ollivier formulierten Ansatz der Real-Life-Tasks (2012), dem gerade im Fremdsprachenunterricht (im Sinne authentischer Kontexte) eine zentrale Rolle beigemessen werden soll. Konkret handelt es sich um folgende kreative Abschlussleistungen:
  • Erstellen einer Lerntheke als offene Unterrichtsform mit offen lizenzierten Unterrichtsmaterialien (5 Stationen für die jeweilige Sprache unter Berücksichtigung des Lehrplans und des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens), die auch Open Access veröffentlicht werden und somit potentiell allen Lehrenden zur Verfügung stehen werden.
  • Verfassen eines wissenschaftlichen Short Papers in essayistischer Form, in dem sich die Studierenden mit dem Thema OER, offene Methoden und Urheberrecht kritisch auseinandersetzen müssen.


Lehr- und Lernziele

Die Studierenden…

  • … definieren “Offenheit” aus verschiedenen Blickwinkeln.
  • … lernen Open Educational Resources kennen.
  • … reflektieren ihre eigene Lehr- und Lernerfahrung in Hinblick auf „Offenheit“.
  • … werden für Binnendifferenzierung und Lernendenautonomie sensibilisiert.
  • … entwickeln neue Methoden und offene Settings.

Weiters geht es um...
  • ... das Kennenlernen und Erproben mediendidaktischer Formate.
  • ... das Kennenlernen von Good-Practice-Beispielen.
  • ... die Erweiterung des eigenen Methodenrepertoires unter Anwendung offener Methoden.
  • ... die Reflexion und Erprobung der erworbenen Kenntnisse in fremdsprachlichen Unterrichtsszenarien.
  • ... die Erstellung und Adaption von Materialien für den praktischen Unterrichtseinsatz.
  • ... den Transfer traditioneller Methoden in den virtuellen Lehr-/Lernraum.
  • ... die Sensibilisierung für die Potentiale und Risiken des virtuellen Lehr-/Lernraums.

Beurteilungskriterien

  • Mitarbeit (online und Präsenz) [Bei Lehrveranstaltungen mit immanentem Prüfungscharakter ist eine Anwesenheit bei 80 % der vorgesehenen Kontaktstunden erforderlich (dies entspricht im Schnitt einer höchstens dreimaligen Abwesenheit mit Begründung).]
  • Aktive Teilnahme an kollaborativen Settings (online und Präsenz)
  • Hausübungen (online und Präsenz)
  • Kurzpräsentationen
  • schriftliche Abschlussarbeit (Entwicklung von Unterrichtsbausteinen und Open Educational Resources)


Mein Credo (unabhängig von der nominierten LV)

Wie vielleicht aus der Einreichung heraus zu lesen ist, ist es mir wichtig, den (zukünftigen) Lehrenden im Zuge des Proseminars zu zeigen, dass man (beim Sprachenlernen und auch Erstellen von Unterrichtsmaterialien) keine Angst vor Fehlern haben und diese vielmehr als Möglichkeit der Weiterentwicklung sehen sollte (Stichwort: Neue Fehlerkultur) und dass es Mittel und Wege gibt, urheberrechtlich sauber und dennoch – im Sinne einer Work-Life-Balance – zeiteffizient arbeiten zu können (wenngleich dies von einzelnen im Schuldienst stehenden Lehrenden nicht ganz so gesehen wird). Um dieses Ziel zu erreichen konzipiere ich meine Materialien (nicht nur in dieser LV, die ja auch aufgrund des Titels und Themas OER in den Vordergrund rückt) schon seit langem als Open Educational Resources und thematisiere OER in allen fachdidaktischen und mediendidaktischen Lehrveranstaltungen. Ich versuche, diese Offenheit vorzuleben und nicht nur zu predigen (siehe Blogbeiträge z.B.). Dabei möchte ich die Arbeiten der Studierenden nach Möglichkeit auch immer öffentlich publizieren, um sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies ist in der Vergangenheit als Open Access und Open Educational Resource zur Verfügung gestelltes E-Book oder als Veröffentlichung auf meinem Blog (Unterrichtsbausteine aus einem fachdidaktischen Proseminar bzw. Strategien zum Entdecken von Fake News in einem allgemeinen Kurs) passiert. Meine Gedanken habe ich auch ausführlich in „Offenheit als Chance: Warum wir unsere Klassenzimmer öffnen sollten“ (2017) dargelegt.

[...]

Meine beiden Blogs: Web 2.0 in Lehre und Unterricht bzw. Resources for (foreign) language teachers

Quellen

Brandhofer, G., Kohl, A., Miglbauer, M. & Narosy, T. (2016): digi.kompP – Digitale Kompetenzen für Lehrende. Das digi.kompP-Modell im internationalen Vergleich und in der Praxis der österreichischen Pädagoginnen- und Pädagogenbildung. R&E Source, 6, 38-51.

Bundesministerium für Bildung (BMB) (2004a). Lehrpläne für die Pflichtgegenstände: Allgemeiner Teil. Teil 1-3. Wien. Online: https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/lp/11668_11668.pdf?5s8x3v [01.10.2017].

Bundesministerium für Bildung (BMB) (2004b). Lehrpläne für die Pflichtgegenstände: Lebende Fremdsprache (Erste, Zweite). Wien. Online: https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_ahs_os_lebende_fs_11854.pdf?5s8x2w [01.10.2017].

Ehlers, U.-D. (2011): Extending the Territory: From Open Educational Resources to Open Educational Practices. Journal of Open, Flexible and Distance Learning. 15 (2), 1-10. Online: http://www.jofdl.nz/index.php/JOFDL/issue/view/5 [01.10.2017]. [CC BY].

Höfler, E. (2017), Offenheit als Chance: Warum wir unsere Klassenzimmer öffnen sollten. Erziehung und Unterricht. Digitale Sonderausgabe: Lernen und Lehren mit Technologien: Vermittlung digitaler und informatischer Kompetenzen, 7-8 (2017), S. 45-50.

Muuß-Merholz, J. (2015), Zur Definition von „Open“ in „Open Educational Resources“ – die 5 R-Freiheiten nach David Wiley auf Deutsch als die 5 V-Freiheiten, online: https://open-educational-resources.de/5rs-auf-deutsch/. [CC BY].

National Education Association (NEA) (2016): Preparing 21st Century Students for a Global Society. Online http://www.nea.org/assets/docs/A-Guide-to-Four-Cs.pdf [01.10.2017].

Ollivier, C. (2012), „Real-life-Tasks im sozialen Web“, in: Wagner, Jürgen/Heckmann, Verena (Hrsg.), Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht. Ein Praxisbuch für Lehrende in Schule und Hochschule, Glückstadt: Verlag Werner Hülsbusch, S. 206-213.

Siemens, G. (2005): Connectivism: A learning theory for the digital age. International Journal of Instructional Technology & Distance Learning, 2 (1), 3-10. Online http://www.itdl.org/Journal/Jan_05/Jan_05.pdf [01.10.2017]. [CC BY-NC-SA]

Virtuelle Pädagogische Hochschule (2016), Das digi.kompP Kompetenzmodell, online: http://www.virtuelle-ph.at/wp-content/uploads/2016/09/digi.kompP-Grafik-und-Deskriptoren-1.pdf [01.10.2017]. [CC BY-SA].

Wiley, D. (2014), The Access Compromise and the 5th R, online: https://opencontent.org/blog/archives/3221 [CC BY].

Sonntag, 19. November 2017

Open Educational Resources - eine Zusammenschau

Open Educational Resources (OER) sind in letzter Zeit in aller Munde. Zumindest entsteht der Eindruck, wenn man im Netz ein wenig die Augen offen hält.

Quelle: Pixabay (CC0)

In letzter Zeit gibt es nämlich zahlreiche spannende Blogbeiträge, Zeitungsartikel und ähnliche Publikationen, die sich mit den unterschiedlichen Konzeptionen und Facetten von Offenheit (im weiteren Sinne) beschäftigen. Ein paar davon möchte ich zur Lektüre empfehlen:

Jöran Muuß-Merholz definiert in seinem Beitrag Offen ist, was Zugang schafft! Oder: Warum Google Docs für OER wichtiger als Libre Office ist Offenheit. Der von ihm eingeschlagene Argumentationsweg ist wichtig, da OER nicht selten in Form von abgeschlossenen PDF oder proprietären Formaten zur Verfügung gestellt werden, was dem Remix-Gedanken nicht gerade entspricht.

Eine zweite schöne Perspektive auf die Offenheit legt Martin Weller in My part in the battle for Open (universities). An Universitäten werden Materialien nicht selten unter einer CC BY-NC-Lizenz zur Verfügung gestellt, was keiner freien Lizenz im engeren Sinne entspricht. Darüber hinaus muss ich an den Urheberrechts- und Creative Commons-Vortrag, der vor einiger Zeit an der Universität Graz abgehalten wurde, denken, in dem den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern davon abgeraten wurde, OER zu produzieren oder Open Access zu publizieren, weil die Tantiemen dadurch ausfallen.

Die Seite iRights.info (die ich allen sehr ans Herz lege) hat einen Beitrag über CC0 (CC Zero) veröffentlicht. Es ist ja eine spannende Frage, ob man CC0 in Österreich überhaupt vergeben darf. Hierzu gibt es eine Stellungnahme zweier Juristen.

Auf iMooX startet morgen (am 20.11.) ein MOOC über Urheberrecht und Creative Commons - gehalten von Michael Lanzinger, einem Rechtsanwalt, der spannende Einblicke in die Materie gibt. Michael Lanzinger hat schon MOOCs produziert und mitgewirkt. Er schafft es, die Feinheiten des Urheberrechts auch für Laien verständlich und nachvollziehbar zu erläutern. Ich habe schon mal über dazu gebloggt - falls jemand einen Eindruck bekommen will.

Wer einen ersten Einblick in die Materie benötigt, dem hilft sicher das - selbst als OER publizierte - Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T) weiter, das einen Beitrag mit dem Titel Offene Lehr- und Forschungsressourcen. Open Access und Open Educational Resources beinhaltet, der einen ersten Einblick ermöglicht.

Die Nominierten für den OER-Award 2017 stehen fest. Da sind wirklich spannende Projekte aus unterschiedlichen Bereich nominiert und man bekommt einen echten Einblick in die Breite der Bewegung. Natürlich kann man immer noch mehr machen - was ich auch bei den Fortbildungen immer wieder sehe. OER und Creative Commons sind noch nicht in aller Bewusstsein, aber wir sind sicherlich am richtigen Weg. Gerade in den Schulen find ich die Frage spannend, ob man für OER mehr bezahlt bekommt. Ich frag mich dann immer, ob die Erstellung von Unterrichtsmaterialien nicht im Lehrergehalt drinnen ist. Und ich frage mich, wann es sich rumgesprochen hat, dass man aus Schulbüchern nicht kopieren darf und dass man nicht so einfach Materialien aus dem Internet verwenden darf. Auch wenn man die Quellen angibt. Außer die Materialien sind OER - aber dieses Bewusstsein ist nun mal noch nicht bei allen angekommen. Klar, OER geben auch KEINE ENDGÜLTIGE Rechtssicherheit (Abmahnungen gibt es auch hier schon, vor allem wenn man falsch attribuiert - siehe auch das dazu passende Video der OER Transferstelle). Materialien zu googeln gibt aber ÜBERHAUPT KEINE Rechtssicherheit…

Jochen Robes führt einen Blog, den Weiterbildungsblog, und veröffentlicht immer wieder spannende Artikel (inkl. eines kurzen persönlichen Kommentars). So beispielsweise eine Rezension zu German OER Practices and Policy — from Bottom-up to Top-down Initiatives oder einen Einblick in CPT+10: A Bright Future for Open Education.

Open Educational Resources und ich

Ich habe vor einigen Jahren für mich beschlossen, OER zu machen und zu leben. Dazu hab ich auch für die aktuelle Ausgabe von Erziehung und Unterricht einen Artikel mit dem Titel Offenheit als Chance: Warum wir unsere Klassenzimmer öffnen sollten geschrieben. Ich bin der Überzeugung, dass es Sinn macht, zu teilen und den Blick über den Tellerrand zu werfen. Ich bin der Überzeugung, dass Open Educational Resources dabei helfen, weniger Arbeitsaufwand zu haben. Man bekommt nicht nur Materialien sondern vor allem auch Ideen für den eigenen Unterricht. Und im besten Fall bekommt man Feedback auf die eigenen Materialien. 

Montag, 6. November 2017

Jane Hart präsentiert die Top Tools 2017

Jedes Jahr wartet man auf das Erscheinen des Horizon Reports und der KIM- oder JIM-Studie, die uns Trends und aktuelle Verwendungsgewohnheiten präsentieren. Das eine visionär, das andere den Ist-Zustand beschreibend. Beide Ressourcen sind nicht nur gerne gelesen, sondern ebenso gerne zitiert. Dabei wird gerade beim Horizon Report oft die US-amerikanische Brille vergessen, die bei der Lektüre aufzusetzen ist. Eine Eins-zu-Eins-Umsetzung in Europa ist weder zu erwarten noch möglich, wie auch ein Rückblick auf die letzten Ausgaben zeigt.

Quelle: Pixabay (CC0)


Und wenn ich auch immer gegen das Primat des Tools und für jenes der Methode schreibe, so erwarte ich dennoch immer auch mit großer Spannung die Top-Tool-Liste, die Jane Hart jedes Jahr kuratiert. Nun ist es wieder soweit. Die Liste und die drei Unterlisten sind veröffentlicht:
  • Top 100 Tools for Personal & Professional Learning (PPL) 2017
  • Top 100 Tools for Workplace Learning (WPL) 2017
  • Top 100 Tools for Education (EDU) 2017
Das Team von Web2-Unterricht (Renée Lechner, Urs Henning, Emil Müller) hat sie genauer betrachtet, die Aufsteiger und Absteiger, die Newcomer genannt. Die Top 10 fallen wenig überraschend aus, wenngleich hier besonders der Wiederaufstieg von PowerPoint zu beachten ist. Twitter hingegen hat es heuer nicht auf das Podest geschafft. Wer also Inspiration sucht oder einfach nur überprüfen möchte, wie mainstream er oder sie, sei die Liste ans Herz gelegt.